Die Konjunktur in Deutschland bricht in der Fläche weiter ein. Seit 2019 sinkt die Industrieproduktion kontinuierlich, und viele Unternehmen spüren, dass der Standort unter Druck geraten ist. Gleichzeitig erleben wir eine nie dagewesene Geschwindigkeit in den strukturellen Veränderungen unserer Märkte. Kundenbedürfnisse, Wertschöpfungsketten und ganze Branchen wandeln sich heute innerhalb weniger Monate. Die aggressive Expansion insbesondere chinesischer Wettbewerber verstärkt diesen Druck erheblich.

Für uns als mittelständisches Familienunternehmen ist Anpassungsfähigkeit seit Jahrzehnten der Schlüssel zum Überleben. Wir haben mehrfach erlebt, wie sich Märkte grundlegend verändern und Geschäftsmodelle verschwinden. Ende der 1990er Jahre wanderte die chemische Zulieferindustrie nahezu vollständig nach Asien ab. Innerhalb weniger Jahre verloren wir unsere wichtigsten Kunden und mussten unser Produktportfolio von Grund auf neu ausrichten. Mit der Finanzkrise 2008 folgte der nächste Einschnitt: Ein bedeutender Teil unserer Automobilzulieferkunden verlegte seine Wertschöpfung nach Asien. Ein achtstelliger Jahresumsatz fiel innerhalb kürzester Zeit weg – und wir mussten erneut reagieren.

Wir haben diese Entwicklungen durch neue Produkte, neue Märkte und eine stetige Erweiterung unserer technischen Fähigkeiten ausgeglichen. Der Preis dafür war und ist eine steigende technische und organisatorische Komplexität. Gleichzeitig stellt genau diese Vielfalt unsere besondere Stärke dar. Wir haben uns immer wieder auf veränderte Rahmenbedingungen eingestellt – und diese Fähigkeit ist bis heute ein wesentlicher Bestandteil unseres unternehmerischen Selbstverständnisses.

Das Jahr 2025 stellt uns jedoch vor neue Herausforderungen. Der Rückgang der Industrieproduktion in Europa, die strukturellen Verwerfungen in vielen Branchen und der zunehmende Marktdruck durch chinesische Wettbewerber lassen sich nicht vollständig durch zusätzliche Aufträge kompensieren – auch wenn wir im Jahr 2025 mehr neue Kunden gewonnen haben als jemals zuvor. Trotz aller Anstrengungen müssen wir in diesen Tagen erstmals seit vielen Jahren einzelne betriebsbedingte Kündigungen aussprechen. Es handelt sich nur um wenige Fälle, aber jeder einzelne ist schmerzlich. Wir sind dankbar für das Verständnis, was wir von den Betroffenen selbst in dieser Lage erhalten. Wir wünschten uns aber noch viel mehr, dass wir auf diese wenigen Kündigungen hätten ganz verzichten können.

Über Jahre haben wir in unsere Mitarbeitenden investiert. Viele junge Menschen kamen zu uns, entwickelten sich weiter und übernahmen Verantwortung. Wir prüfen für jeden Betroffenen individuelle Lösungen, Versetzungsmöglichkeiten oder zukünftige Nachbesetzungen durch natürliche Fluktuation. Doch in einigen Bereichen gibt es aktuell schlicht nicht mehr genügend Arbeit.

Wir lernen dabei erneut, wie stark das deutsche Betriebsverfassungsrecht strukturelle Anpassungen erschwert – selbst dann, wenn sie wirtschaftlich zwingend notwendig sind, um die Arbeitsplätze der großen Mehrheit langfristig zu sichern. Der Kündigungsschutz hat sich in den letzten Jahren in eine Richtung entwickelt, die Unternehmen die notwendige Flexibilität nimmt. Dies ist ein Thema, das in den kommenden Jahren dringend neu bewertet werden muss.

Gleichzeitig erleben wir eine paradoxe Situation: Trotz der notwendigen Kostenreduktionen fehlt uns weiterhin Personal in Schlüsselbereichen, insbesondere in der Zerspanung. Erfahrene Zerspaner, die an unseren hochkomplexen Maschinen anspruchsvollste Bauteile fertigen, bleiben ein Engpass. Genau dort entsteht aber unsere Wertschöpfung – und genau dort bleibt der Fachkräftemangel spürbar. Das führt zu dem ungewöhnlichen, aber realen Bild, dass wir in wenigen Bereichen Stellen abbauen müssen und zugleich in der Zerspanung weiter fähige Mitarbeiter suchen.

Wie es im kommenden Jahr weitergeht, lässt sich kaum seriös prognostizieren. Die wirtschaftliche Unsicherheit ist hoch, viele Unternehmen in Deutschland blicken pessimistisch in die Zukunft. Dennoch bin ich überzeugt: Die Industrie wird nicht verschwinden. Ohne produzierendes Gewerbe ist ein wirtschaftlich stabiles Europa nicht denkbar. Auch unsere Kunden wissen, dass sie auf verlässliche, robuste und qualitätsorientierte Lieferketten angewiesen sind.

Wir verlassen uns aber nicht auf die allgemeine Konjunktur, sondern auf unsere eigenen Fähigkeiten. Wir investieren weiter in Technologie, Automatisierung und die Weiterentwicklung unserer Organisation. Wir nutzen die Stärken unserer Gruppe, unterstützen uns zwischen den Standorten und konzentrieren uns auf Märkte, die trotz der allgemeinen Lage wachsen – etwa die Energieversorgung oder die Rüstungsindustrie. Veränderung ist nie einfach, aber sie eröffnet auch neue Möglichkeiten.

Wie schon in der Vergangenheit konzentrieren wir uns auf das, was wir selbst beeinflussen können: auf die Bedürfnisse unserer Kunden von heute und morgen, auf Qualität, Zuverlässigkeit und die Weiterentwicklung unserer Technologien. Hoffnung allein ist keine Strategie – aber konsequente Arbeit an unserer eigenen Leistungsfähigkeit ist es.

So werden wir auch in den nächsten Jahren – und in der nächsten Generation – ein starkes Produktionsunternehmen in Deutschland bleiben.

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