Familien­unternehmer Blog

von Andre Kuhn

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Schlagwort: #länderberichte

Gescheitert!

Es ist Anfang November 2016: ein trüber Monat, an dem ich spät am Abend in Stavanger lande. In Regen und Dunkelheit suche ich mir den Weg zum nahegelegenen Hotel und denke voller Wehmut und Traurigkeit an die ersten Besuche in diesem wunderschönen Land vor zwei Jahren zurück. Was damals voller Hoffnungen und Erwartungen mit einem kleinen Joint Venture begann, geht jetzt zu Ende – mit finanziellen Verlusten und hohem persönlichen Einsatz vieler Mitarbeiter, der umsonst war. Am nächsten Tag beschließen wir im Bordmeeting das Ende der Produktion und die kontrollierte Abwicklung des von uns mit gegründeten Unternehmens. Ein Traum von unserer unternehmerischen Zukunft in Skandinavien mit einem Standbein vor Ort geht schmerzhaft zu Ende.

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  1. RR sagt:

    . . . Hut ab vor solcher Offenheit!

    P.S.: Das gesuchte Zitat stammt wohl von meinem Lieblingspolitiker . . .

    „Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.“
    Winston Churchill

  2. Dirk Breuer sagt:

    Wer in sich selbst vertraut, voll und ganz hinter den eigenen Entscheidungen steht, (auch wenn diese mal nicht so gut waren) nicht aufgibt ausgetretene Pfade zu verlassen wird als Unternehmer besser und erfolgreicher werden.

    Sehr gut geschrieben, diese Stärke muss man haben.

  3. Armin Barg sagt:

    Hallo Herr Kuhn,

    Hut ab vor der klaren Analyse, neben den Versäumnissen des Geschäftspartners auch die eigenen offen und ehrlich zu kommunizieren.
    Klar, wer keine Risiken eingeht, kann sich nicht weiter entwickeln. Wer sie eingeht, schaut trotzdem dem Partner nur vor den Kopf und nicht ausrichend hinein. Wer glaubt, alles richtig machen zu können, hat meist verloren.
    Eigene Fehler sind auch zum Lernen geeignet.
    Einem Unternehmen wie der Fa. Kuhn und Ihnen als sportlicher Unternehmer gibt das Geschehene garantiert genug Anreiz, es wieder aber besser zu machen. Stagnation war bei ihnen bislang nicht zu erkennen. Warum auch? Ich wünsche ihren Mitarbeitern deren Familien und Ihnen und Ihrer Familie ruhige Weihnachtstage und einen Guten Rutsch in ein Jahr 2017, das von neuen Zielen und guten Nachrichten geprägt sein möge. Freundlich grüßt Armin Barg u.a. Vorsitzender von Wuppertrail e.V.

  4. Ralf Hoge sagt:

    Andre,

    auch von meiner Seite Hut ab, für die offene Analyse.

    Der Punkt eigene Mitarbeiter schnell ins Management des neuen zugekauften Unternehmens zu positionieren ist ein wichtiger Baustein einer Übernahme.
    Frei nach dem Motto Vertrauen ist gut, aber Kontrolle ist besser. Kontrolle gar nicht negativ gemeint. Ein Unternehmen was schon lange „fällt“ hat ja ein Problem und muß einmal „gedreht“ werden.

    Schade das es für Euch im Norden nicht geklappt hat und hoffe, daß Dein Unternehmen hier weiterhin so gute Arbeit macht und so erfolgreich ist.
    Das Vertrauen von Seiten Deiner Mitarbeiter und Deiner Kundschaft ist hier wohl mehr als gerechtfertigt.

    Also wieder aufstehen und weiter gute Arbeit machen

    Gruß
    Ralf

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zwei × drei =

Japanische Impressionen

Japan – das Land des ewigen Lächelns? Ist Ihnen ein Land wie die Schweiz zu chaotisch, unordentlich und undiszipliniert? Dann könnte Japan genau das Richtige für Sie sein!

Nach mehreren beruflichen wie privaten Reisen in Japan ist es für mich immer wieder erstaunlich, wie extrem ordentlich, diszipliniert und reglementiert dieses Land ist. „Die Zwangsjackengesellschaft“ nannte es der japanische Autor Masao Miyamoto (https://en.wikipedia.org/wiki/Masao_Miyamoto).

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vier × vier =

Wer motiviert mich eigentlich?

Wer ist eigentlich dafür verantwortlich, ob mir die Arbeit Freude macht oder nicht? Wer ist für meine Motivation verantwortlich – oder für meine Demotivation, wenn der Job einmal keinen Spaß macht?

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  1. Karo sagt:

    hm… wenn die MA nicht motiviert sind, liegt es also möglicherweise an den Rahmenbedingungen. Nur wer definiert dann die „notwendigen“ Rahmenbedingungen für die das UN Sorgen „muss“ damit sich die MA selbst motivieren können?

    • Andre Kuhn sagt:

      Es bleibt wohl eine dauerhafte Aufgabe aller Betroffenen, die Rahmenbedingungen zu verbessern und immer wieder neu an die Unternehmensumwelt anzupassen…..

  2. Mr. Martin sagt:

    Schenkt man den Hirnwissenschaftlern aus dem Focus-Artikel glauben, dann liegt der Schlüssel in der Begeisterung an der eigenen Arbeit.

    Wenn Begeisterung entsteht, sobald wir das „Unbekannte“ erforschen und Erfahrungen sammeln, denke ich, müssen die Rahmenbedingungen dem Mitarbeiter auch regelmäßig ermöglichen, etwas Neues zu explorieren, wenn nicht sogar ihn dazu auffordern.

    Es scheint mir wie eine Art Kreislauf zu sein, der unsere Motivation aktiviert: Neues explorieren > Erfahrung sammeln > Begeisterung verspüren > Motivation bekommen > Neues explorieren > usw.

    Stellt sich mir die Frage, wer die nötige Motivation für den ersten Schritt hat, um den Kreislauf anzustoßen… wahrscheinlich am ehesten das Unternehmen!?

    • Andre Kuhn sagt:

      Vielen Dank, ein toller Gedanke! Ich stimme Ihnen zu, der Neurologe Gregory Berns http://gregoryberns.com schreibt hierzu sehr ausführlich in seinem faszinierenden, leicht lesbarem Buch „Satisfaction: Warum nur Neues uns glücklich macht“.
      Neues kommt aus der Umwelt ständig auf ein Unternehmen und die Mitarbeiter zu – heute mehr als früher. Neue Produkte, neue Märkte, stetig wachsende Anforderungen der Kunden…. ein Unternehmen kann nur überleben, in dem es sich diesen Herausforderungen anpasst und einer der wichtigsten Voraussetzungen hierfür sind Menschen, die Neuem gegenüber zunächst einmal positiv eingestellt sind.
      Insofern ist in einem Unternehmen leider niemand frei, Neues nach seinen individuellen Vorlieben zu explorieren. Jeder Mitarbeiter ist hierbei an den Unternehmenszweck gebunden, um dem Kunden hierdurch einen Nutzen zu bieten. Dies gibt der ganzen Sache aber auch einen gewissen Sinn….
      Soweit ein paar Gedanken hierzu, Danke für diese Anregung zu ein einem großen Thema!

      • Mr. Martin sagt:

        Herzlichen Dank für den interessanten Buch-Tipp! Das werde ich mir in nächster Zeit direkt mal zu Gemüte ziehen.

        Ich denke gerade die Sache mit dem Unternehmenszweck ist entscheidend. Nur wer das entfernte Ziel kennt, kann die Reise dorthin zielführend mitgestalten.

        • Andre Kuhn sagt:

          Danke für den netten Kommentar! Es bleibt immer eine hohe Herausforderung, den Unternehmenszweck den Mitarbeitern zu vermitteln….

          • Lieber Herr Kuhn,

            es ist in der Tag eine Herausforderung, den Mitarbeitern den Unternehmenszweck zu vermitteln. Dabei ist es zunächst einmal wichtig, sich selbst darüber klar zu werden. Ich stelle oft fest, das Unternehmer sehr gut schildern können WAS sie machen. Beim WIE fällt es dann schon schwerer und das WARUM respektive das WOZU wird dann ganz schwer. Dabei ist es gerade die Frage nach dem Sinn die spannendste und auch motivierendste. Wenn ich weiß, warum ich morgens aufstehe und in mein Unternehmen gehe und ich dort meine Werte leben kann, dann fällt es mir viel leichter und die Arbeit bekommt eine gewisse Leichtigkeit.

            Wenn es mir dann auch noch gelingt, dieses WARUM an meine Mitarbeiter zu vermitteln, dann kommen diese auch mit größerer Leichtigkeit zur Arbeit und wenn es intern spürbar und klar wird, dann strahlt dies auch nach außen zu den Kunden ab. Und so enstehen vertrauensvolle Kundenbeziehungen.

            Aus meiner Sicht ist es also eine der wichtigsten Unternehmer-Aufgaben, sich genau dieser Herausforderung zu stellen. Tag für Tag. Warum treten wir an? Welcher Vision folgen wir? Preach it!

          • Andre Kuhn sagt:

            Vielen Dank für diesen wertvollen Kommentar! Unternehmer sind ja oft die „Praktiker“ (hier schließe ich mich ein) – man kann ggf. etwas gut, kann aber nicht erklären, wie man es macht oder gar warum man es macht. Bei der Frage nach dem Sinn kann ich Ihnen nur zustimmen – und doch sind die Antworten so vielfältig und unterschiedlich wie es Menschen gibt. Daher gibt es auch keine allgemein gültige Antwort aus jeder Sicht, sondern jeder Mensch kann / muss seine eigene Antwort finden.

  3. Lieber Herr Kuhn,

    dass Sie als Unternehmer ihren Mitarbeitern nicht deren Lebenssinn vorgeben können ist klar. Aber auch ein Unternehmen hat einen Sinn und wenn es ihnen gelingt, diesen sichtbar zu machen und zu kommunizieren – vor allem intern, dann können die Mitarbeiter daran andocken.

    Herzliche Grüße,
    Meike Schneider

    • Andre Kuhn sagt:

      Liebe Fr. Schneider,
      Danke für Ihren wertvollen Kommentar! Den „Sinn des Unternehmens“ zu vermitteln – ich nehme an, in diesem Zusammenhang ist hier der Sinn unserer Produkte bzw. des Nutzens unserer Leistung gemeint – ist in der Tat grade in unserem Unternehmen eine besondere Herausforderung. Wir stellen keine Verbrauchsgegenstände her, sondern Bauteile, die unter härtesten Bedingungen in Maschinen und Anlagen eingesetzt werden. Der Kunde kauft bei uns, wenn er mit „normalen“ Werkstoffen „von der Stange“ keine Lösung findet. So halten unsere Edelstahl-Trommelmäntel zum Beispiel in Separatoren über Jahre tonnenschwere Belastungen bei höchsten Drehzahlen unter Bedingungen stand, wo fast jeder andere Werkstoff in kurzer Zeit vom Rost zerfressen wird – doch man sieht bei uns nur ein glänzendes Rohr. Dass dieses auf 1/100tel mm genau bearbeitet wurde und mikroskopisch rein in der Oberfläche wie im Gefüge ist – das kann man nicht sehen. Ja, wir können auf unsere Bauteile und auf unsere Leistung stolz sein! Ob der Mitarbeiter dies erkennt und ob er hier „andocken“ möchte, das kann dann nur jeder für sich selbst entscheiden.

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sechzehn − 2 =

Koreanische Impressionen

Zum wiederholten Mal hatte ich die Gelegenheit, das vielleicht höchstmöglich autarke industrialisierte Land der Welt zu besuchen: Südkorea. Ein Land, in dem die Industrie in Branchen wie der Elektronik und Automobiltechnik eine führende Stellung auf der Welt einnimmt, welches geprägt ist von seiner extrem schnellen Entwicklung und welches gleichzeitig für Ausländer immer noch nur sehr schwer zugänglich ist. Wenige Menschen sprechen Englisch, englische Beschriftungen sind – sogar im Gegensatz zu Ländern wie China, Taiwan oder Japan – eine Seltenheit, und sogar Taxifahrer oder Beamte an Ticketschaltern haben oft keinerlei englische Sprachkenntnis.

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  1. Jörn Carsten Pfeiffer sagt:

    Lieber Andre,
    Danke für deine Sicht über ein Land, was wirklich sehr unbekannt bei uns ist.
    Wir bekommen nächste Woche eine Delegation aus dem südkoreanischen Strafvollzug – da hilft es etwas mehr über die Menschen und ihre Kultur zu erfahren.
    LG
    Jörn

  2. Tom Astor sagt:

    Guten Tag und herzlichen Dank für den kurzen aber sehr anschaulich geschriebenen Einblick in die südkoreanische Kultur und Gesellschaft. Mit wenigen Worten ist es Ihnen gelungen, einen umfassenden Einblick in eine Welt zu geben, die als eine der Wenigen sich noch einen Großteil an Tradition bewahrt hat. Dazu gehört aus meiner Sicht auch Stolz! Leider kenne ich Südkorea nur von kurzen Zwischenstopps (Flughafen und Umgebung), habe mir aber fest vorgenommen, das Land irgendwann in meinem Leben näher kennenzulernen. Dieser Beitrag lässt meine Vorfreude anwachsen! Herzlichen Dank!

    Tom

  3. Sabrina sagt:

    Wirklich interessanter und bildhafter Bericht.
    Die Extreme zwischen auf dem Fußboden essen und Führung in der Automobiltechnik sowie Elektronik sind beeindruckend.

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1 + zwölf =

Alle Jahre wieder….

Kennen Sie diese besondere Zeit im Jahr, die sich jedes Mal früher anzukündigen scheint? Wochen vorher kann man der besonderen Stimmung kaum noch entkommen, jedes Geschäft und jedes Restaurant macht Werbung im Hinblick auf die kommenden Feiertage, die Hektik im Geschäftsleben nimmt zu, um noch die eine oder andere Sache abzuschließen. Zwei Wochen vorher sind kaum noch Flüge oder Besuchstermine zu bekommen, neue Geschäfte sollte man besser jetzt nicht angehen und niemand scheint mehr Zeit zu haben. Die Restaurants sind völlig ausgebucht, weil jede Firma, jede Organisation und jeder Verein noch ein feierliches Essen abhalten möchte. Jedes Gespräch dreht sich nur noch um die kommenden Feiertage und zu jedem Abschied wünscht man sich das Beste für diese Zeit.

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  1. Cindy sagt:

    Warum ist es für die meisten hier in Deutschalnd so schwierig sich vorzustellen, dass mehr als ¼ der Weltbevölkerung das chinesische Neujahr feiert? Alles aus Amerika wie Valentinstag oder Halloween werden hier bedingungslos willkommengehießen und mitgefeiert, aber wenn ich Leuten am Ende Januar „Frohes Neues!“ wünsche, lächeln viele nur verlegen zurück. Für sie ist es viel zu fremd oder gar zu egal! Jedes Jahr um diese Zeit denke ich, dass Deutschland sich eigentlich noch im Mittelalte befindet, wo die Glaube noch durchsetze, dass die Erde der Mittepunkt des Universums sei…

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17 + 6 =

Schwedische Impressionen – oder was haben das deutsche Ausbildungs­system und Mindestlöhne mit Jugend­arbeits­losigkeit zu tun?

Schweden ist ein sehr interessantes Land – nicht nur als Urlaubsziel, sondern auch die dortige Wirtschaft und die Staatsfinanzen zeigten sich bis dato in der Wirtschaftskrise als erstaunlich robust. Da fast alle Schweden hervorragend Englisch oder sogar Deutsch sprechen, konnten wir bei unserer letzten Geschäftsreise gute Einblicke in die dortigen Verhältnisse erhalten – und für Deutschland ein wenig lernen …

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  1. 2000Euro sind ja auch nicht gerade wenig, bei ca.150 oder 160 Std. im Monat. Das wären 13Euro in der Std. In Deutschland redet man von 8,50 so viel ich weiß das ist doch schon ein großer Unterschied und meiner Meinung auch bezahlbar.

  2. Guido Gothenburg sagt:

    Das Ganze ist doch sehr überwiegend aus deutscher Sicht betrachtet. Für einen Deutschen ist ein gutes Abendessen von über 20€ teuer, weil für ihn in Deutschland Menschen für unter 7€/h arbeiten. Der Deutsche selbst verdient eben auch nicht so viel. Verdiene ich hingegen mindestens(!) 2000€ im Monat, dann ist das Abendessen doch ohne weiteres und ohne sich großartig zu wundern möglich. Sicher, in Deutschland wäre es billiger. Aber auch sicher: Die deutsche Friseurin, die für 4€ arbeitet wird sich auch in Deutschland so leicht keinen schönen Restaurantbesuch leisten können.
    Der Mindestlohn taugt als Erklärung für Jugendarbeitslosigtkeit nicht viel. Das Funktionieren (und Vorhandensein) des Ausbildungssystems sicherlich mehr.

    • Andre Kuhn sagt:

      Vielen Danke für die Kommentare von Hr. Gothenburg und Hr. Schwab! Ich freue mich über unterschiedliche Sichtweisen! Ich versuche die Ansichten aus meiner Perspektive eines deutschen Unternehmers wiederzugeben – zwangsweise subjektiv und auch so gewollt. Die Meinung zur Auswirkung des Mindestlohns auf die Jugendarbeitslosigkeit stammt allerdings von einem schwedischen Unternehmer. Ich bin kein Volkswirtschaftler und habe auch wenig Einblicke in ostdeutsche Verhältnisse oder die Dienstleistungsbranche, möchte mir hier auch kein Urteil anmaßen. Ich kann daher nur aus Unternehmersicht sagen, dass ein Mitarbeiter das Geld verdienen muss, was er verdient – sonst macht das Unternehmen Verluste und verschwindet vom Markt. In junge Menschen muss ein Unternehmen investieren, da sie noch lernen und zu Beginn nur geringe Leistung erbringen können. Je höher der Verdienst eines ungelernten Mitarbeiter sein muss desto größer ist die Hürde, in seine Ausbildung zu investieren.

      Man merkt – der Mindestlohn ist ein Thema, was uns in Deutschland zurzeit besonders bewegt.

  3. Paul F. sagt:

    Aber wenn es in Schweden kein geregeltes Ausbildungssystem gibt, herrscht dann dort ein Fachkräftemangel? Viele Berufe kann man doch gar nicht studieren. Wenn sich viele Unternehmen aber gar nicht leisten können, jemanden wegen des hohen Mindestlohns einzulernen, wo bekommen sie dann Nachwuchs her?

    • Andre Kuhn sagt:

      Sehr geehrter Paul F.,
      ja, aus deutscher Sicht ist es erstaunlich, dass unsere Berufsausbildung fast einmalig auf der Welt ist. In fast allen anderen Ländern wie auch in Schweden können Mitarbeiter nur angelernt werden oder eine Art „Berufsschule“ besuchen, in der sie rein theoretisch auf Berufsinhalte vorbereitet werden. Daher kommt der große „run“ auf die Bachelor-Studiengänge in sehr vielen Ländern, da man eigentlich nur die Wahl hat, eine angelernte Kraft zu werden oder studieren zu gehen. Einige Großunternehmen helfen sich selbst, indem sie neuen, jungen Mitarbeitern eine intensive Einarbeitung inkl. theoretischen Unterrricht über einige Monate geben. Insofern kann man in Schweden wie in vielen Ländern von einem „Fachkräftemangel“ sprechen, allerdings kennt man hier unser deutsches Verständnis von „Fachkräften“ auch nicht.

  4. Sandra sagt:

    Sind die Studiengänge dort dann auch begrenzt oder einfach nur überfüllt? Das ist natürlich schade wenn es nicht genug Möglichkeiten für die Jugend dort gibt. Wer sich kein Studium leisten kann oder keinen Platz mehr bekommt, muss sich dann mit einem Job zufrieden geben. Habe nie darüber nachgedacht, aber das Ausbildungssystem in Deutschland ist dann ja wirklich sehr gut. Manche wollen nach der Schule einfach nicht mehr lernen oder müssen Geld verdienen, da ist eine Ausbildung doch eine gute Alternative.

    • Andre Kuhn sagt:

      Zur Studienplatzsituation in Schweden kann ich nichts sagen aber es stimmt völlig: das Ausbildungssystem in Deutschland ist eine echt tolle Sache für alle Beteiligten! Was würden wir ohne unsere vielen Fachkräfte nur tun – und so vielen jungen Menschen wird hier eine Grundlage für das Leben geboten, die dazu noch fast beliebig ausbaufähig ist.

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2 × eins =

Wie „ticken“ eigentlich Unternehmer in China?

In diesen Blog geht es um Einsichten und Ansichten eines Familienunternehmers. Doch Unternehmer gibt es überall. Ein Besuch und Abendessen mit einem leidenschaftlichen Unternehmer in Shanghai zeigen die interessante Perspektive eines Mannes, der mit vollem Einsatz Geschäftsführer wie auch ranghohes Mitglied der kommunistischen Partei ist. Faszinierende Ansichten aus einer anderen Perspektive, die einmal wieder beweisen, dass wir die Welt nur so sehen können, wie wir unsere Informationen hierüber erhalten und wie unsere Umwelt darüber denkt – man sollte daher auch seine eigene Sichtweise öfters infrage stellen.

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  1. Jens L. sagt:

    Ich finde die Sichtweise des Herrn Qu sehr interessant, und der Author hat sicherlich recht, dass man das Thema Demokratie und Freiheit in China sicherlich auch mal aus der Perspektive der Chinesen selbst betrachten sollte. Was mir durchaus einleuchtet ist, dass eine Demokratisierung nicht zu plötzlich geschehen sollte, da dies ein Riesenreich wie China auseinanderreißen könnte. Jedoch habe ich den Eindruck, dass es in China nicht nur an Demokratie fehlt, sondern vor allem an Rechtstaatlichkeit. Es mag sein, dass ein so großes und schnell wachsendes Land Zeit braucht, demokratische Strukturen zu entwickeln, und das ist vielleicht auch gut so. Es mag auch sein, dass man zur Zeit noch nicht jeden Chinesen an großen und richtungsweisenden Entscheidungen teilhaben lassen kann. Diese Konzepte sind ja auch in unserer demokratisierten Welt nicht unüblich, dass z.B. Entscheidungen von einer gewählten Regierung durchgesetzt werden, auch wenn sie der Bevölkerung gerade nicht passen. Ohne das funktioniert wohl kaum noch was.
    Es scheinen mir aber die chinesischen Staats- und Machtstrukturen zur Zeit so aufgebaut zu sein, dass es nicht nur wenig oder keine Demokratie gibt, sondern vor allem keine Rechtsstaatlichkeit und daher Willkür, vor allem gegenüber „dem kleinen Mann“. Diese Willkür paart sich mit einer weit verbreiteten Korruption, die ja anscheinend auch der chinesischen Führung zur Zeit ein Dorn im Auge ist. Man liest über Umweltkatastrophen, die vertuscht werden, über die unteren Bevölkerungsschichten, die geschädigt, aber niemals entschädigt werden, etc.
    Ein funktionierender Staat, selbst wenn er ein Einparteienstaat ist, sollte trotzdem auf Recht und Gesetz, und vor allem darauf beruhen, dass jeder Bürger sein Recht einklagen kann und auch bekommt.
    Ich kann die Sichtweise von Hr. Qu zur Demokratie in China also verstehen und nachvollziehen, auch wenn ich sie nicht selbst teilen muss. Was ich jedoch nicht verstehen könnte, wäre eine Sichtweise, bei der auch die rechtstaatlichkeit dem „Volke“ erst Stückchen für Stückchen gegeben wird.
    Es wäre interessant, zu wissen, ob sich Her Qu auch zum Thema Rechtstaatlichkeit geäußert hat.

    Zum Thema, ob nur ein Einparteienstaat große Probleme lösen kann, kann man natürlich auch geteilter Meinung sein. Herr Qu nennt als Beispiel die Umweltproblematik in China. Diese ist sicherlich sehr extrem und durch die Führung inzwischen auch erkannt worden.
    Aber auch Deutschland hatte in den 1970er Jahren recht extreme Umweltprobleme (man denke an das Waldsterben, ca. 50% aller Müllkippen waren 1975 illegal, etc.). Deutschland hat trotzdem seine Umweltprobleme ziemlich gut in den Griff bekommen, und zwar größtenteils auf Druck der Bevölkerung, die plötzlich nicht mehr die alten Parteien gewählt hat, sondern neue, oder den alten Parteien klargemacht hat, wo es langgeht. Unsere rechtsstaatlichen Strukturen haben dabei geholfen, einige Umweltsünder in die Knie bzw. zum Nachgeben zu zwingen.
    Heute gilt Deutschland als eines der Länder mit den höchsten Umweltstandarts, der besten Umwelttechnologie und hat völlig neue Wirtschaftszweige in der Umwelttechnik erschlossen, alles auf Basis einer funktionierenden Demokratie (die 1989 von 20 Millionen Deutschen auch erstmal erlernt werden musste).
    Großprojekte gehen also auch mit demokratischen Strukturen.

    Es ist trotzdem interessant, die Dinge mal aus einer ganz anderen Perspektive zu sehen. Nach der Wende waren wir ja auch die „Besserwessis“…

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