Allgemein

Schwierige Entscheidungen

Entscheidungen zu treffen ist eine zentrale Führungsaufgabe. Man kann nicht „nicht entscheiden“, denn auch eine hinausgezögerte Entscheidung ist eine Entscheidung. Oftmals ist eine verzögerte Entscheidung sogar die schlechteste Entscheidung, die man treffen kann.

Ich behaupte, in Unternehmen gibt es für eine Führungskraft nur schwierige Entscheidungen. Einfache Entscheidungen machen das Ergebnis schon aus der Faktenlage heraus klar. Es geht also vor allem darum, die Informationen sauber zu sichten und zu priorisieren, um zu einer logisch klar nachvollziehbaren Entscheidung zu gelangen. Das erfordert eine gute Systematik und Disziplin, ist aber relativ einfach.

Schwierig wird es immer dann, wenn – ggf. sogar unter Zeitdruck – Entscheidungen getroffen werden müssen, ohne alle Details zu kennen und die Folgen vollständig abschätzen zu können. „Gott spielen zu müssen“ nannte es mein Vater, wenn er besonders in Bezug auf Personen schwierige Entscheidungen treffen musste.

–          Ist Mitarbeiter A noch mit seinen Ergebnissen für das Unternehmen tragbar?

–          Hat Mitarbeiter B das Potenzial für die neue Führungsposition?

–          Können wir Mitarbeiter C das neue Projekt übertragen?

Er wollte damit zum Ausdruck bringen, dass ein Mensch solche Entscheidungen in letzter Konsequenz nie perfekt treffen kann.

Auch viele unternehmerische Entscheidungen fallen in diese Kategorie, wie zum Beispiel:

–          Sollen wir in die Anlage X investieren? – Wer garantiert uns, dass wir diese auf Jahre auslasten können?

–          Gehen wir in den Markt Y? – Können wir uns dort mit unseren Kompetenzen gegenüber dem Wettbewerb behaupten?

–          Entwickeln wir das Verfahren Z? – Wird es uns aus Kundensicht langfristig die entscheidenden Vorteile liefern können?

All diese Fragen können nicht rein analytisch entschieden werden. Selbst im Nachhinein ist es fast unmöglich zu sagen, ob die Entscheidung richtig war oder ob es nicht doch noch eine bessere Lösung gegeben hätte. Denn wenn wir den Weg A gehen, wissen wir nicht, was uns auf dem Weg B begegnet wäre. Eine Entscheidung für die eine Möglichkeit bedeutet immer auch eine Entscheidung gegen eine Vielzahl von Alternativen, deren Ausgang wir niemals kennen werden.

Wie können wir dann überhaupt entscheiden? Mit Verstand – und Gefühl. Das Gefühl, das auf Basis der Erfahrungen in der Vergangenheit entwickelt wurde und mit dem unser Unterbewusstsein uns eine sehr mächtige Unterstützung an die Hand gibt.

Eine Anekdote hierzu handelt von einem sehr erfolgreichen Unternehmer, der im hohen Alter gefragt wurde: „Was ist der Schlüssel Ihres großartigen Erfolges?“

Antwort: „Richtige Entscheidungen!“

Frage: „Woher wissen Sie denn, ob eine Entscheidung richtig ist oder nicht?“

Antwort: „Erfahrung!“

Frage: „Fantastisch! Wodurch haben Sie diese wertvolle Erfahrung bekommen?“

Antwort: „Falsche Entscheidungen!“

Doch unser Gefühl funktioniert nur dort, wo die Situation der Vergangenheit ähnelt. In neuen, unbekannten Ausgangslagen kann uns unser Gefühl dagegen völlig in die Irre führen – unsere Erfahrungen sind hier leider bedeutungslos. Vielleicht ist dies ein Grund, warum in der Internetbranche die Berufserfahrung so wenig zählt und hier Mitarbeiter unter 30 Jahren oft über alles geschätzt werden. Zu viele neue Entscheidungen unter neuen Prämissen?

Die Welt ändert sich dem Anschein nach immer schneller – die Rahmenbedingungen einer Entscheidung haben daher oft nur wenig mit der Vergangenheit gemein. Bei schwierigen Entscheidungen können sich also auch erfahrene Führungskräfte seltener auf ihr Bauchgefühl verlassen.

Als Unternehmer weiß man nur, dass man nicht nicht entscheiden darf. Und man kann letztendlich nur dafür sorgen, dass man gleichermaßen auf seinen Verstand wie die Emotion hört, die wesentlichen Fragen gut diskutiert und von verschiedenen Seiten durchleuchtet. Und dann eben nicht zu lange wartet, sondern den Schritt hinaus in die unbekannte Zukunft geht.

Die Verantwortung, die man als Unternehmer dabei nicht nur für sich, sondern für das Unternehmen und damit für die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter trägt, erzeugt einen zusätzlichen Druck. Die Verantwortung führt aber auch dazu, die Unternehmensinteressen immer in den Vordergrund zu stellen und sich selbst die nötige Disziplin aufzuerlegen. Wenn man dann falsch entschieden hat – und das passiert zwangsläufig immer wieder – muss man sich im Spiegel ansehen können und wissen, dass man sein Bestes in der verfügbaren Zeit getan hat.

Mit zunehmender Erfahrung wird man dabei recht demütig. Man erfährt, dass man oft mit noch so viel Arbeit und Sorgfalt danebenliegen kann und lernt ein Element zu schätzen, welches meiner Ansicht nach zu oft von erfolgreichen Menschen unerwähnt bleibt: Glück.

Ist Erfolg nur vom Zufalls-Glück abhängig? Soweit würde ich nicht gehen. „Das Glück findet den Tüchtigen“ – man sollte an seinen Entscheidungen hart arbeiten, sie mutig treffen aber letztendlich wissen, dass es zum Erfolg immer auch das notwendige Maß an Glück braucht.

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Politik und Zeitgeschehen, Werte

Freiheit in Deutschland

Deutschland ist ein fantastisches Land! Ein Land der Freiheit, der Selbstverantwortung und der Toleranz.

Dies wird mir jedes Mal bewusst, wenn ich nach einer Auslandsreise zurückkomme und – Achtung, jetzt wird es provokant – wieder auf deutschen Autobahnen fahren darf. Keine Geschwindigkeitsbegrenzung! Es ist auf vielen Abschnitten immer noch der Verantwortung des Individuums überlassen, sein Fahrzeug zu beherrschen, den Verkehr und die Straßenverhältnisse richtig einzuschätzen und die Geschwindigkeit frei zu wählen. Ja, ich fahre in verantwortlichem Rahmen gerne schnell, und ich liebe schnelle Automobile. Doch darum geht es mir nicht – es ist das Prinzip Selbstverantwortung, das mich hierbei immer wieder beeindruckt. Unser Staat behandelt seine Bürger wie mündige Bürger, gibt (hinreichend oft) sinnvolle Rahmenbedingungen im Straßenverkehr vor und erlaubt in klaren rechtlichen Grenzen eine große persönliche Freiheit.

Dies empfinde ich als die höchste Kunst der Gesetzgebung in einem Staat, und sie betrifft alle gesellschaftlichen und rechtlichen Bereiche: sinnvolle Rahmenbedingungen vorzugeben, innerhalb derer die Bürger ein maximales Maß an Freiheit ausleben können, um sich selbst zu verwirklichen.

Gerade im Vergleich zum Ausland „funktioniert“ Deutschland auch sozial erstaunlich gut. Abgesehen vielleicht von wenigen Gebieten (die in der Presse gerne unverhältnismäßig in den Vordergrund gestellt werden) kann man sich nahezu überall sicher und frei bewegen, fahren, parken, gehen – egal welcher Hautfarbe, Religion, Altersgruppe oder welchem Geschlecht man angehört. Sicher, es gibt sehr unterschiedliche politische Ansichten, heftige Diskussionen und viele emotionale Differenzen. Es gibt aber einen gefühlten „Grundkonsens“ über Werte wie Toleranz, Weltoffenheit, persönliche Freiheit und Unversehrtheit, mit denen ich mich sehr wohl in unserem Land fühle, hier gerne lebe, eine Zukunft aufbaue und ein Unternehmen entwickeln möchte.

Freiheit in Deutschland ist für mich auch eine notwendige Bedingung für wirtschaftlichen Erfolg. Nur in Freiheit kann Kreativität gedeihen, können neue Ideen und Innovationen entstehen. Innovationen von eben erst gegründeten oder schon länger bestehenden Unternehmen sind im Kapitalismus die Voraussetzung dafür, um langfristig erfolgreich zu sein. Wir leben besonders in Deutschland davon, der Konkurrenz die entscheidende Nasenlänge voraus zu sein.

Hoffentlich bleibt es trotz all der weltweit aufkommenden nationalistischen Tendenzen und besorgniserregender politischer Bewegungen auch in Deutschland noch möglichst lange dabei – und damit meine ich jetzt nicht einmal in erster Linie meine geliebten Autobahnen ohne Tempolimit ;-)

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Führung, Politik und Zeitgeschehen, Unternehmensführung

Damenwahl!

Als Mittelständler brauchen wir jeden guten Mitarbeiter. Als werteorientiertes Familienunternehmen schätzen wir die Diversifizierung unter den Mitarbeitern. Wir stoßen aber auch schnell an unserer Grenzen, wie es eine aktuelle Erfahrung einmal wieder gezeigt hat …

Die sogenannte Frauenquote geistert durch die Wirtschaftswelt. Eifrige Politiker haben es sich auf die Fahnen geschrieben, in allen Bereichen der Wirtschaft wenn nötig per Gesetz dafür zu sorgen, dass der Anteil der weiblichen Führungskräfte auf allen Ebenen und Gremien ein Minimum erfüllt. Die Argumente hierfür reichen von der Diskriminierung von Frauen über gefühlte „gläserne Decken“ für Chefinnen in Konzernen bis hin zu angeblich besserer Performance von Unternehmen mit höheren Frauenanteilen im Vorstand. Flapsig gesagt: Eine ausreichende Frauenquote in Führungsebenen gehört zur Political Correctness.

Unsere Meinung als mittelständisches Familienunternehmen: Die Führung in wirtschaftlich erfolgreichen Unternehmen sollte sich darauf konzentrieren, mit den Menschen gemeinsam sehr gute Ergebnisse zu erzielen – immer besser als die jeweilige Konkurrenz. Dies lässt sich unserer Überzeugung nach durch gute Zusammenarbeit, Transparenz, Vertrauen und einen gleichermaßen werte- wie leistungsorientierten Führungsstil erreichen. Autorität ist weiterhin notwendig, hat jedoch in der Bedeutung gegenüber den letzten Jahrzehnten abgenommen. Dagegen ist es immer wichtiger geworden, Mitarbeiter, Partner und Kunden zu verstehen, auf sie einzugehen und durch Überzeugung, Vorleben, Verständnis, Authentizität und Empathie zu führen. „Führung ist weiblich geworden“, wie es der schwedische Ökonom Kjell Nordström sehr treffend in seinen Büchern und Vorträgen formuliert. Es sind nicht mehr die „harten, männlichen“ Attribute wie Stärke, Selbstaufopferung und Durchsetzungskraft, die den Erfolg maßgeblich ausmachen, sondern die oben beschriebenen, eher weiblichen Eigenschaften.

Eine gute Zusammenarbeit gerade von Menschen mit unterschiedlichen Stärken und Sichtweisen ist nach unserer Ansicht für eine umfassende Analyse, für die Ideenfindung, Ausarbeitung von Optionen und damit für eine erfolgreiche Unternehmensführung wichtig. Dazu gehören Menschen mit unterschiedlicher Ausbildung, unterschiedlichen Hintergründen, unterschiedlichen Alters oder Geschlechts. In der Zusammenarbeit und Hinzurechnung der verschiedenen Sichtweisen kann sich ein umfassendes Bild ergeben und es können neue Optionen auftauchen und andersartige Lösungen gefunden werden. Damit besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit für ein erfolgreiches Unternehmensergebnis.

Die Förderung von Frauen kann immer dann, wenn eine Frau zur Erfüllung einer Quote in eine Führungsposition berufen wird, in eine Diskriminierung von Männern umschlagen. was auch wieder völlig falsch ist. Dies ist zudem eine Beleidigung jeder wirklich qualifizierten Frau, die keine Quoten braucht, um Karriere zu machen (wie auch immer „Karriere“ definiert wird, denn auch dies verändert sich zurzeit dramatisch). Einen von außen gesehen sehr intelligenten, langfristig orientierten Ansatz verfolgt hier das Unternehmen Porsche, wie im aktuellen „Harvard Business Manager Special: Strategie“ aus dem Jahr 2017 auf Seite 10 von Helene Endres beschrieben. (http://www.harvardbusinessmanager.de/blogs/a-1135351.html)

Als mittelständisches Produktionsunternehmen sind wir leider immer noch nicht so attraktiv ;-) wie Porsche und haben auch nicht derartige Ressourcen. Wir finden zwar recht erfolgreich gute Mitarbeiter verschiedenen Alters, mit unterschiedlicher Ausbildung und auch im verschiedenen kulturellen Hintergründen. Wir finden jedoch (noch) so gut wie keine Frauen für Führungspositionen. Ein aktuelles Beispiel hat dies deutlich gezeigt:

Aufgrund sehr tragischer Umstände müssen wir die Position unseres kaufmännischen Geschäftsführers kurzfristig neu besetzen. Für diese recht attraktive Stelle haben wir bundesweit eine Ausschreibung gestartet. Meine Erwartung war, dass ein guter Anteil der Bewerber aus Frauen bestehen würde – schließlich gab es auch in den letzten Jahrzehnten unter den Kaufleuten und Studenten der Betriebswirtschaft schon immer viele hoch kompetente Frauen. Es bestand sogar eine kleine Hoffnung, dass der beste Kandidat eine Frau sein könnte und wir somit auch in der obersten Führungsriege unseres Unternehmens eine stärkere Diversifizierung bekommen könnten. Die Auswertung war ernüchternd: Trotz eines unvorhersehbar hohen Aufkommens an Bewerbungen – wir erhielten nahezu 100 – war nur eine einzige Frau dabei.

Ist der produzierende Mittelstand für Frauen weniger attraktiv? Oder gibt es auf dem Bewerbermarkt so gut wie keine erfolgreichen weiblichen Führungskräfte mehr, da sie heute überall stark gefragt sind?

Es gibt wohl auch noch eine einfachere Erklärung, auf die mich passender Weise aber erst meine Frau aufmerksam machen musste: wir sind nicht Douglas oder der Springer-Verlag. Unsere Produkte sind extrem technisch und nicht besonders „sexy“ – na ja, zumindest würden dies viele Menschen außerhalb unserer Branche so sehen ;-)

Tatsache ist jedoch, dass erzwungene Frauenquoten in Führungspositionen nach dieser Erfahrung nur zu Scheinbesetzungen führen können: Es gibt einfach zu wenig geeignete Personen. Der Anteil an Frauen in der Ausbildung technischer Berufe auch in unserem Unternehmen wie auch der steigende Anteil von Frauen auf anderen Führungsebenen lässt aber hoffen, dass sich dies langfristig ändern wird – auch wenn er in unserer Branche ggf. nie eine 50:50-Quote erreichen wird.

Wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen – dringend! Einfach, weil wir mehr gute Führungskräfte brauchen – überall in der Wirtschaft. Anscheinend erfordert diese Entwicklung allerdings noch Zeit …

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Allgemein, Führung, Unternehmensführung

Dienstwagenordnung

Eine Unsitte in der deutschen Wirtschaft ist aus unserer Sicht die „Dienstwagenordnung“. Hierzu die kurze, wahre Geschichte von einem Kundenbesuch bei BorgWarner Turbo Systems in Kirchheimbolanden vor einigen Jahren:

Alle Besucher – also Lieferanten ebenso wie Partner und Kunden – werden per Hinweisschild auf den „Besucherparkplatz“ geleitet, der bereits früh morgens völlig überfüllt ist. Nach längerer Suche haben wir einen Parkplatz in einer der hintersten Ecken gefunden und durften in strömendem Regen einen Weg von etwa einem Kilometer bis zur Pforte des Unternehmens antreten. Direkt hinter der Pforte gab es wenige Meter vor dem Haupteingang etwa zehn reservierte Parkplätze. Darauf stand eine Auswahl von Audi-Limousinen, streng geordnet von A4 (weiter weg vom Eingang) bis A6 (direkt vor dem Eingang) – alle in Dunkelgrau oder schwarzem Lack gehalten. Der Wagen direkt vor dem Eingang hatte die Typenbezeichnung „3.0 TDI“ am Heck, die beiden Wagen daneben „2.4 TDI”, danach ein „2.0 TDI“. Hackordnung in Perfektion, in aller Deutlichkeit zur Schau getragen. Schnell ist jedem Besucher klar, wer hier wichtig ist (der Chef) und wer nicht (der Kunde).

Die Welt ist bunt. Jeder Mensch ist anders. Die Automobilindustrie bemüht sich seit Jahren, jedem Typ mit immer mehr Nischenmodellen gerecht zu werden. Autofahren ist pure Emotion – ich denke, nirgendwo sonst wird auf der ganzen Welt so viel Geld für emotionale Faktoren wie beim Auto ausgegeben. Wir in Deutschland leben sehr gut davon und treiben die Entwicklung erfolgreich voran.

Unter einem Dienstwagen habe ich immer eine motivierende Komponente des Vergütungspakets verstanden. Aus dieser Logik heraus erfüllt ein Dienstwagen seinen Zweck, wenn der Nutzer morgens mit einem Lächeln einsteigt und sich an der höchst emotionalen Komponente des Autofahrens erfreut. Autos sollen Freude bringen, dann erfüllen sie ihren Nutzen. Auch das ist natürlich kein Zwang – für manche Menschen ist die Lösung der Wahl der immer wieder gleiche Sharan in gleicher Ausstattung und für andere – zunehmend jüngere – Menschen die BahnCard 100 in Verbindung mit einer „DriveNow“-Kundenkarte.

Warum werden Dienstwagen dann von so vielen Unternehmen in Zwangsjacken gesteckt und aufs Genaueste reglementiert? Es ist doch reine Verschwendung, so viel Geld für etwas auszugeben, was dann wieder durch Restriktionen in seinem Nutzen (also Freude für den Mitarbeiter) derart eingeschränkt wird. „Neid“, „Gerede“, „Ansehen“ und „Verwaltungsaufwand“ sind hier gern gebrauchte Argumente.

Wir haben in der Arbeitswelt so viele Anforderungen und immer mehr interne und externe Regeln zu beachten. Lasst den Menschen doch ein wenig Freude – in der Kaffeeküche, am individuellen Arbeitsplatz oder am Dienstwagen für diejenigen, die ihn zur Verfügung bekommen und sich für Autos begeistern können. Und er darf auch gerne knallbunt, exotisch und einmalig sein, so wie wir Menschen nun einmal sind.

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Politik und Zeitgeschehen, Werte, Zukunft

Plädoyer für eine offene Welt

Als Familienunternehmer kann man sich für 2017 nur wünschen, dass die Welt weiter offen bleibt oder noch offener wird. Leider gehen die aktuellen politischen Strömungen in der Masse der Bevölkerung zurzeit in eine andere Richtung. Der Nationalismus wird überall auf der Welt wieder populärer und Politiker gewinnen Wahlen mit profaner Demagogie aus dem letzten Jahrhundert. Protektionismus ist dabei nicht nur für jeden Bürger eines Landes schädlich, sondern in heutigen weltweit vernetzten Wertschöpfungsketten nahezu unmöglich umzusetzen. Warum dies so ist, möchte ich gerne aus unserer Perspektive als mittelständischem Industrieunternehmens in Deutschland erläutern.

Die langfristige Entwicklung ist für den größten Teil der Menschheit ausgesprochen positiv! Das ist keine subjektive Einzelmeinung, sondern das Ergebnis sehr tief greifender Analysen an der Universität Oxford: https://ourworldindata.org/a-history-of-global-living-conditions-in-5-charts/ . Auch in der Jahresend-Ausgabe des renommierten Economist-Magazins vom 24. Dez. 2016 steht hierzu ein sehr lesenswerter Leitartikel: http://www.economist.com/news/leaders/21712128-liberals-lost-most-arguments-year-they-should-not-feel-defeated-so-much?frsc=dg%7Ca

Dennoch – die Bedingungen für die meisten Menschen in der Mittelschicht in Deutschland werden seit Jahren nicht besser, wirtschaftlich gesehen eher schlechter (warum es meiner Ansicht nach dennoch aufgrund der monetär nicht bewertbaren drastischen Fortschritte in der Informationstechnologie besser geht, ist ein anderes Thema).

Auch in unserem direkten Umfeld als mittelständischem Industrieunternehmen findet leider seit Jahren kein Wachstum statt. Für unser Unternehmen liegt in einer immer globaleren Welt die Konkurrenz aus Europa und Fernost quasi „direkt vor der Haustür“. Das drückt die Preise und setzt unser Unternehmen wie die Arbeitskraft unserer Mitarbeiter in direkte Konkurrenz mit Schleudergießereien, in denen Arbeitssicherheit ein Fremdwort ist und Arbeitskräfte in Massen zu günstigsten Konditionen zur Verfügung stehen.

Man könnte jetzt schnell nach Protektionismus rufen, um der bösen Konkurrenz aus Fernost in Deutschland und Europa mit Zöllen zumindest einen Ausgleich für die Belastungen abzuverlangen, die wir mit EEG Umlage, Steuern und Auflagen in Deutschland zu tragen haben.

Das würde uns –wie jedem anderen Industrieunternehmen in Deutschland – jedoch sofort erheblich schaden!

Warum ist das so?

Der Ökonom Richard Baldwin (http://graduateinstitute.ch/home/research/centresandprogrammes/ctei/ctei_people/baldwin_home.html) hat es mit wenigen Worten klar in einem Interview mit dem „Brand Eins“ Magazin in der Dezemberausgabe 2016 auf den Punkt gebracht.

In der ersten Welle der Globalisierung wurden Waren für den Konsum in andere Länder exportiert. Dieses ließ sich relativ leicht mit Importbeschränkungen kontrollieren. Diese Erfahrung machte zum Beispiel die Reagan-Administration in den 80erJahren. Damals war es der stellvertretende Handelsbeauftragte Robert Lighthizer, welcher Japan mit hohen Strafzöllen unter Druck setzte, was die Einfuhr von Waren wirksam beschränkte.

Seit Ende der 90er-Jahre spricht Prof. Baldwin von der „zweiten Welle der Globalisierung“. Waren werden in erster Linie nicht mehr für den Konsum, sondern für die Produktion anderer Waren exportiert. Wertschöpfungsketten sind global geworden. Dank drastisch gesunkener Transaktionskosten mittels Kommunikation und Informationsaustausch über das Internet ist es heute zum Beispiel für einen Mittelständler wie uns kein Problem, mit unserem Kunden in Korea über Lieferungen über Bauteile aus Deutschland und Taiwan zu verhandeln, die der Endkunde in den USA in seinen Turboladern einsetzt. Waren werden also exportiert, um in einem anderen Land Waren herzustellen.

Beschränkt man jetzt die Importe, ist es nicht mehr möglich, in einem Land zu produzieren. Unsere Kunden sind schon lange in globale Wertschöpfungsketten eingebunden. Jede Komponente, die in Deutschland teuerer oder aufwendiger aus dem Ausland zu beziehen ist, schwächt die deutsche Wirtschaft. Eine Maschine oder Anlage unserer Kunden kann ohne einen großen Teil von Komponenten aus allen Ländern der Welt überhaupt nicht mehr gebaut werden.

Dass Donald Trump den oben genannten Robert Lighthizer zum globalen Handelsbeauftragten der USA berufen hat, zeigt, in welcher protektionistischer Denkweise der 80er-Jahre er als Immobilientycoon noch hängt. Auch die Befürworter des Brexit werden sich in den kommenden Monaten massiv mit Ausnahmegenehmigungen für ihre großen Industrieunternehmen beschäftigen müssen, wie sie das Nissan-Werk in Sunderland von Theresa May bereits erhalten hat. Ohne freie Importe ist keine wettbewerbsfähige Produktion in der heutigen Welt mehr möglich.

Protektionismus schneidet schnell und tief in die Leistungsfähigkeit jeder Industrie – ganz besonders der deutschen Wirtschaft. Das ist keine Theorie, sondern grade für den industriellen Mittelstand in Deutschland schnell und hart erlebbar.

Würde Deutschland oder Europa also wie oben beschrieben Einfuhrzölle oder Quoten für die Produkte unserer Konkurrenz wie anderer Waren erlassen, würde dies die Leistungsfähigkeit unserer Kunden in Deutschland und Europa sofort deutlich einschränken. Unsere Kunden wären weniger wettbewerbsfähig, würden weniger Maschinen und Anlagen verkaufen – und wir weniger Komponenten aus Schleuderguss.

Offen, nicht nur für Wirtschaftsgüter, auch für Ideen und Menschen. Nur so kann die Exportnation Deutschland erfolgreich bleiben!

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Führung, Marktentwicklung, Unternehmensführung

Gescheitert!

Es ist Anfang November 2016: ein trüber Monat, an dem ich spät am Abend in Stavanger lande. In Regen und Dunkelheit suche ich mir den Weg zum nahegelegenen Hotel und denke voller Wehmut und Traurigkeit an die ersten Besuche in diesem wunderschönen Land vor zwei Jahren zurück. Was damals voller Hoffnungen und Erwartungen mit einem kleinen Joint Venture begann, geht jetzt zu Ende – mit finanziellen Verlusten und hohem persönlichen Einsatz vieler Mitarbeiter, der umsonst war. Am nächsten Tag beschließen wir im Bordmeeting das Ende der Produktion und die kontrollierte Abwicklung des von uns mit gegründeten Unternehmens. Ein Traum von unserer unternehmerischen Zukunft in Skandinavien mit einem Standbein vor Ort geht schmerzhaft zu Ende.

Es ist eine der größeren Niederlagen als Unternehmer in meiner über 20-jährigen Laufbahn. Für den Verlust und die Fehlentscheidung, in dieses Joint Venture zu investieren, kann ich niemanden außer mir verantwortlich machen. Anstelle eines Ausbaus von Marktanteilen und der Eroberung neuer Kunden steht die Abwicklung eines neu gegründeten Unternehmens, der Verlust von etwa 25 Arbeitsplätzen und verlorene personelle und finanzielle Ressourcen.

Warum? Was hat nicht funktioniert?

Interessanterweise waren es hier nicht die „Sollbruchstellen“, vor denen wir im Vorfeld ausgiebig gewarnt wurden und auf die wir vorbereitet waren. Die Kommunikation mit unseren Partnern vor Ort und dem Management war immer gut – trotz der sprachlichen Barrieren. Sicher haben hierzu die enorme Offenheit und gewohnte Internationalität der Norweger besonders in Stavanger beigetragen. Auch unsere Mitarbeiter in Radevormwald sind mit großer Aufgeschlossenheit, Engagement und Vertrauen in die Partnerschaft gegangen. Über kulturelle Distanzen hinweg war der gegenseitige Respekt und ein stetes Bemühen um das Verständnis des anderen immer gegeben. Das Vertrauen stimmte daher.

Auch die Abstimmung mit dem lokalen Joint-Venture-Partner war trotz nicht immer gleicher Interessen fast immer sehr gut und verlässlich. Man konnte sich auf das Wort verlassen, einander vertrauen und auch, wenn es oft etwas länger dauerte, stimmte die Umsetzung von Vereinbarungen.

Dramatisch schwieriger als gedacht war es hingegen, in ein Unternehmen als Partner einzusteigen, das seit Jahren bereits Verluste schrieb und am Boden lag. Auch mit neuem Management konnten wir die Unternehmenskultur innerhalb von zwei Jahren nicht wesentlich verändern. Probleme wurden von den Mitarbeitern kommentarlos hingenommen. Der Wille zur Verbesserung fehlte auf allen Ebenen. Missstände in der Organisation, der Technik wie am Inventar wurden nicht beseitigt – man war zu sehr daran gewöhnt, damit zu leben. Nach dieser Erfahrung frage ich mich, wie es überhaupt möglich ist, ein Unternehmen „zu wenden“, welches über Jahre bis in die Insolvenz gewirtschaftet wurde. Bei den Mitarbeitern und den Vorgesetzten scheint jeder Wille abhanden gekommen zu sein, für ein positives Ergebnis zu kämpfen und an den kleinen wie großen Problemen zu arbeiten.

Konjunkturell kam hinzu, dass wir in einer Zeit investierten, in der es in der Öl- und Gasindustrie in Norwegen sogar noch weiter bergab ging und die Talsohle noch nicht, wie erwartet, erreicht worden war. Es ist dramatisch, wie sehr die Norweger von dem Verfall der Ölpreise an der Westküste betroffen sind. Viele Unternehmen in dieser Branche haben 50 bis 80% ihrer Umsätze verloren und müssen extreme Anpassungen vornehmen, wenn sie überhaupt überleben können. „Greife nie in ein fallendes Messer“ heißt es – die Kunst ist zu erkennen, wann das Messer nicht mehr weiter fällt und man es wieder in die Hand nehmen kann. Diesen Zeitpunkt haben wir mit der Gründung unseres Joint Ventures wirklich grandios falsch eingeschätzt.

Last but not least: „Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast“. Wir haben erst zum Ende hin eine Führungskraft aus Deutschland entsandt und uns bis dahin auf die sehr optimistischen und eher oberflächlichen Prognosen unseres Managements vor Ort verlassen. Immer wieder wurde uns eine Trendwende in Aussicht gestellt und mit konkreten Kundenaufträgen begründet, die jedoch nie so eingetreten ist. Wir unterstellen hier keine böse Absichten – aber ich hätte die Prognosen mehr hinterfragen müssen und mir öfter durch Kundenbesuche vor Ort persönliche Eindrücke verschaffen müssen. Gerade über sprachliche und kulturelle Unterschiede ist es eine hohe Herausforderung, Aussagen und Prognosen richtig zu deuten und eine realistische Einschätzung der Marktsituation vorzunehmen.

Insgesamt war unser Engagement in Norwegen eine Erfahrung, die viel Geld und Zeit gekostet hat und aus der wir so viel wie möglich lernen müssen. Es ist nicht das erste Engagement in ein fremdes Unternehmen und es wird nicht das letzte Engagement in ein anderes Unternehmen sein. Wir müssen lernen.

Leider weiß ich nicht mehr, wer sagte: „es kommt nicht darauf an, wie oft Du hinfällst, sondern darauf, dass Du mindestens einmal öfter wieder aufstehst.“ In diesem Sinne auf zu neuen Taten, mit hoffentlich besseren Entscheidungen in der Zukunft.

4 thoughts on “Gescheitert!

  1. RR says:

    . . . Hut ab vor solcher Offenheit!

    P.S.: Das gesuchte Zitat stammt wohl von meinem Lieblingspolitiker . . .

    “Die Kunst ist, einmal mehr aufzustehen, als man umgeworfen wird.”
    Winston Churchill

  2. Dirk Breuer says:

    Wer in sich selbst vertraut, voll und ganz hinter den eigenen Entscheidungen steht, (auch wenn diese mal nicht so gut waren) nicht aufgibt ausgetretene Pfade zu verlassen wird als Unternehmer besser und erfolgreicher werden.

    Sehr gut geschrieben, diese Stärke muss man haben.

    weitere Kommentare »
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Allgemein, Politik und Zeitgeschehen, Zukunft

Nationalismus – Protektionismus – Populismus

Überall auf der Welt protestieren die Menschen gegen die Globalisierung und die Veränderungen in der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft. In jedem Land von Europa über Nordamerika bis nach Asien sind die Menschen interessanterweise der gleichen Meinung: dass es sie in ihrem Land besonders hart trifft; dass die Umstände bei ihnen besonders eklatant sind und dass sie die Verlierer dieser globalen Veränderungen sind, während andere Menschen und andere Länder zu den Gewinnern zählen.

Fakt ist leider, dass überall auf der Welt die Mittelschicht unter Druck gerät – es geht nicht mehr aufwärts. Das ist für Deutschland hart – aber es ist noch schlimmer für die Länder, wo eine Mittelschicht noch gar nicht richtig entstanden ist.

Die Antworten auf die Sorgen der Menschen liefern heute wie vor 80 Jahren wieder einmal die Demagogen: Sie liefern „einfache“ Antworten und behaupten, die Ursache liegt am globalen Handel, an den Ausländern, am ungezügelten Kapitalismus oder an der Ausbeutung durch das „Establishment“. Linke wie Rechte erheben überall auf der Welt die gleichen Forderungen wie in den 30er-Jahren – die „alten Rezepte“ sind wieder gefragt, obwohl sie schon damals in die Katastrophe führten. Die Rechten wollen die Abschottung von anderen Ländern und die Bevorzugung der eigenen „Rasse“ (auch wenn sie es heute vornehmer ausdrücken), die Linken fordern die Enteignung der wohlhabenden Schichten und alle Macht dem Staat (Beamte sollen es vermeintlich besser können als ein mündiger Bürger).

Der Kabarettist und Physiker Vince Ebert beschrieb es auf Facebook sehr treffend: Globalisierungsgegner in Deutschland protestieren lauthals und mit ausgiebiger Pressebegleitung, gekleidet in Jacken von North Face, schießen Fotos mit Produkten von Apple oder Samsung und posten ihre Aktivitäten fleißig auf Snapchat, Instagram und Facebook. Welche Ironie …

Die Vorteile der Globalisierung und Digitalisierung sind selbstverständlich geworden. Keiner denkt darüber nach, warum wir kostenlos und auf einfachste Weise unsere sozialen Netzwerke nutzen könne, ein Handy mit der Rechenpower eines Großrechners in der Hosentasche tragen oder jede neue Fernsehergeneration die doppelte Auflösung zum halben Preis bietet.

Als mittelständisches Familienunternehmen in der traditionellen Industrie der Produktionsgüter stecken wir dabei mitten im Leben und bekommen die Herausforderungen der neuen Welt jeden Monat schmerzlich zu spüren. Kunden fordern spätestens seit dem „Lopez-Effekt“ stetig Preisnachlässe, da sie sonst ins Ausland abwandern (müssen). Auf der anderen Seite steigen die Kosten – insbesondere die Personalkosten von Jahr zu Jahr. Der Ausweg besteht in einem ungeheuren Druck auf die Produktivität, der die Menschen in den Unternehmen jedes Jahr aufs Neue an die Grenzen der Leistungsfähigkeit treibt.

Doch die Industrie ist dabei insgesamt überaus erfolgreich! Wir sind ein „Opfer unsers eigenen Erfolges“. Jedes Jahr gelingt es den meisten Industrieunternehmen tatsächlich, durch verbesserte Organisation und technologische Weiterentwicklung die Produktivität zu steigern. Die Folge davon ist dennoch, dass immer weniger Unternehmen in der Lage sind, den Bedarf von kaum noch wachsenden Märkten zu decken. China war die letzte, ganz große „Wachstumsstory“ auf der Welt. Doch China ist versorgt, die industriellen Investitionen zur Versorgung der Bevölkerung sind größtenteils getätigt und sind teilweise – wie im Bereich der Stahlherstellung – bereits weit über den Bedarf des Landes hinaus geschossen. Wir haben weltweit gesättigte Märkte und zusätzliche Produktivitätssteigerung gehen daher zwangsläufig zu Lasten der Arbeitsplätze. Es ist die „schöne neue Welt“, von der wir einstmals träumten, wo immer weniger Menschen dafür arbeiten müssen, damit ein Großteil der Menschheit mit den Grundbedürfnissen versorgt ist. Wir wissen nur nicht, was wir jetzt damit anfangen sollen …

Es ist pure Dummheit oder – wie ich Donald Trump und anderen Politikern unterstelle – gezielter Populismus, in dieser Lage den Menschen zu versprechen, die „Jobs wieder nach Hause zu holen“. Welche Jobs sollen denn bitte „nach Hause“ geholt werden – zurück in die USA oder nach Deutschland? Wollen wir hier in Zukunft wieder T-Shirts oder Schuhe zusammennähen? Oder meinen wir tatsächlich, wir seien in der Lage, Produkte wie ein iPhone oder einen Tablet-PC wirklich wieder in unseren Ländern lokal produzieren zu können – ohne Know-how, ohne die notwendige Supply-Chain und Infrastruktur? Wollen wir die Hälfte der Bevölkerung zurück auf die Felder schicken, um ohne Traktoren und Mähdrescher wieder Lebensmittel in Knochenarbeit anzupflanzen – damit „die Jobs zurück im Lande sind“?

Die Zeiten lassen sich nicht zurückdrehen. Globalisierung und Digitalisierung stellen uns vor erhebliche Herausforderungen und lassen ganze Industrien sterben. Bei allem Druck, dem unser kleines Industrieunternehmen ausgesetzt ist, bin ich heilfroh, dass wir nicht in Branchen wie dem Bankwesen, der Versicherungen, dem Einzelhandel oder der Distribution von Medien tätig sind. Hier verschwinden gerade ganze Bereiche, während Neues entsteht.

Anstelle auf „die anderen“ zu zeigen und Ausländer, andere Länder oder andere Bevölkerungsschichten zu verurteilen, sollten wir uns am eigenen Schopf packen. Die Welt können wir nicht verändern und die Entwicklung nicht stoppen. Wir können uns aber selbst verändern und hieran anpassen. Wo viele Bedarfe verschwinden, entstehen gleichzeitig Neue und einige Berufe sind gefragter als jemals zuvor: haben Sie beispielsweise einmal versucht, einen guten Handwerker zu finden, einen Webdesigner oder einen Steuerungselektroniker? Nicht allen Menschen gelingt der Umschwung und es wird wie immer Gewinner und Verlierer bei großen Veränderungen geben. Angst, Nationalismus und Populismus sind aber in diesen Zeiten die schlechtesten Ratgeber und wir sollten aus der Geschichte lernen.

Hoffentlich können wir diesmal in Deutschland durch Stabilität und Weitsicht ein leuchtendes Beispiel in der Welt bleiben und zeigen, wie man mit Wandel konstruktiv, mutig und erfolgreich umgehen kann.

One thought on “Nationalismus – Protektionismus – Populismus

  1. Wer von den etablierten und veränderungsfähigen Politikern ist überhaupt in der Lage die notwendige Kehrtwendung zu schaffen.
    Unser System ist bereits gerade über die sozialen Netzwerke zu abhängig und steuerbar geworden….

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Talent

Die Welt ist begeistert von Talenten. Talentierte Mitarbeiter sind angeblich DER Schlüssel zum Erfolg. Jedes Unternehmen möchte die besten und talentiertesten Mitarbeiter für sich gewinnen, um besser zu sein als die Konkurrenz. Doch stimmt diese Logik wirklich?

Reicht es aus, talentiert zu sein? Sicher nicht … schon in der Schule heißt es „ohne Fleiß kein Preis“. Talente müssen entwickelt werden, bis man etwas „kann“. Es erfordert Anstrengung und Disziplin, seine Fähigkeiten zu fördern und auszubauen. Jeder Schüler kommt irgendwann an den Punkt, wo pure Begabung nicht mehr ausreicht, um gute Leistungen zu erzielen. Auf einmal muss er etwas leisten, sich anstrengen und an sich arbeiten, um weiterzukommen. Je früher dieser Punkt erreicht wird, desto besser.

Dies ist auch ein Grund dafür, warum man Kinder für ihren Einsatz und ihre Anstrengungen loben sollte, nicht für ihre Intelligenz oder ihr Talent. Doch dieses Thema gehört nicht zum Unternehmertum. (Nette, provokante Lektüre zu diesem Thema: Amy Chua „Die Mutter des Erfolgs“)

Okay, ein Mensch benötigt also Talent und Anstrengung, um sein Können zu entwickeln. Anders ausgedrückt:

Können = Talent x Anstrengung

Reicht dies jetzt für ein Unternehmen aus, um Erfolg zu haben? Für einen Wirtschaftsbetrieb muss Erfolg messbar sein, und er muss von Kunden honoriert werden. Wofür bezahlen Sie als Kunde? Für das, was ein Unternehmen kann? Oder für das, was es Ihnen liefert? Was nutzt es dem Kunden, wenn ein Unternehmen zwar etwas kann, dies aber nicht in Form von Ergebnissen liefert? Bezahlen Sie einen Berater, wenn er zwar ein schlaues Kerlchen ist, Ihnen aber nichts bringt? (Zugegeben, ein schlechtes Beispiel, viele Unternehmen machen dies ja tatsächlich.) Bezahlen Sie einen Hersteller von Automobilen, wenn er zwar tolle Autos bauen kann, Ihnen aber Ihren Wagen gar nicht, viel zu spät oder total fehlerbehaftet liefert? Bezahlen Sie ein Essen im Restaurant, das der Koch zwar famos kochen könnte, er trotzdem etwas Ungenießbares auf den Tisch bringt – einfach weil er an diesem Tag keine Lust hatte?

Wir können in unseren Unternehmen im Prinzip sehr viel. Es erfordert aber wiederum sehr viel Disziplin, harte Arbeit und Anstrengung, um dieses Können auch kontinuierlich in Ergebnisse umzusetzen, für die der Kunde bezahlt und wegen der er das nächste Mal auch gerne wieder bei uns einkauft. Mit anderen Worten:

Ergebnisse = Können x Anstrengung

Auf die Ergebnisse kommt es an!

Rein mathematisch und ingenieurwissenschaftlich ausgedrückt bedeutet dies in der Konsequenz, dass Talent damit zwar wichtig ist, die Anstrengung aber doppelt so wichtig ist!

Ergebnisse = Talent x Anstrengung x Anstrengung

Zu diese Sichtweise hat Angela Duckworth in Ihrem Besteller „grit“ ein hervorragendes Buch geschrieben, woher ich die oben genannte Formel „entliehen“ habe (leider gibt es noch keine deutsche Übersetzung, dennoch sehr lesenswert inkl. der Kritik von Daniel Goleman hierzu). Die Formel stimmt darüber hinaus völlig mit unseren Erfahrungen in der Praxis überein.

Wir brauchen ein gewisses Talent bei unseren Mitarbeitern, keine Frage. Viel wichtiger als reines Talent sind aber Mitarbeiter, die bereit sind, sich anzustrengen! Wir brauchen Mitarbeiter, die das Herzblut mitbringen, Tag um Tag, Monat für Monat und Jahr um Jahr immer wieder ein kleines Stück mehr zu leisten als unsere Konkurrenz. Es geht um Entschlossenheit, Leidenschaft, Ausdauer und Beharrlichkeit. Es geht darum, nicht aufzugeben wenn es schwierig wird und schnell wieder aufzustehen, wenn man einen Fehler gemacht hat. Reines Talent, welches uns genetisch sozusagen „in die Wiege“ gelegt wurde ist prima – aber nicht entscheidend! Entscheidend für den Erfolg sind Eigenschaften, die Menschen lernen können und die jeder in seinem Leben für sich entwickeln und fördern kann. Das zählt für die Menschen ebenso wie für die Unternehmen viel mehr als das Talent, mit dem man geboren wurde.

Eigentlich eine schöne Aussage, die jedem Mut machen kann: Gute Ergebnisse werden nicht in die Wiege gelegt, sondern erarbeitet.

Reichen gute Ergebnisse, um erfolgreich zu sein? Nein – dazu braucht es immer wieder auch Glück. Doch das ist wieder ein anderes Thema…

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Was ist (m)ein Unternehmen wert?

Shareholder-Value, Reichensteuer, Erbschaftssteuer, Offenlegung von Vermögensverhältnissen … immer wieder geht es von gesellschaftlicher oder staatlicher Seite um die Frage, was ein Unternehmen eigentlich wert ist. Aus der Sicht eines Familienunternehmers kann ich dazu nur sagen: Die Frage ist belanglos, unwichtig und völlig theoretisch!

Prof. Malik aus der Schweiz äußert seit Jahrzehnten vehement Kritik an dem Thema Shareholder-Value mit einem Grundsatz der Volkswirtschaftslehre: In der Wirtschaft gibt es keine Werte, nur Preise. Der Wert eines Gutes ist immer nur genauso hoch, wie der nächste Käufer bereit ist, dafür zu bezahlen. Dies ist nicht nur ein völlig subjektiver Wert, sondern auch ein Betrag, der jederzeit anders aussieht. Man kann insbesondere den Wert eines Unternehmens nicht objektiv errechnen – ja, noch nicht einmal annähernd bestimmen. Jeder Versuch über Formeln im Steuerrecht oder sonstige Gutachten etc. ist aus der Sicht vieler Familienunternehmer einfach lächerlich.

Damit unterscheiden sich langfristig denkende Familienunternehmer anscheinend deutlich vom „neuen Markt“ oder von sogenannten Start-ups, die schon bei der Gründung das Ziel verfolgen, nach einer steilen Anfangsphase in absehbarer Zeit „Kasse“ zu machen. Diese Denkweise mag durchaus ihre Berechtigung haben und für eine extreme Dynamik besonders in den neuen, schnelllebigen Technologiemärkten sorgen.

Wer jedoch langfristig denkt, den interessiert ein Verkauf seines Unternehmens und der damit mögliche Erlös zunächst einmal herzlich wenig. Es geht vielmehr darum, das Unternehmen auf längere Sicht erfolgreich zu entwickeln, es immer wieder den veränderten Märkten anzupassen, Innovationen auf den Markt zu bringen, gute Leute zu finden und zu halten. Und dabei gerne wachsen, wenn es der Markt erlaubt, die Risiken begrenzen und die Profitabilität sichern. Wem dies gelingt, der kann als Unternehmer zumeist gut oder sehr gut davon leben – mit dem Risiko, dass sein gesamtes Einkommen, sein Vermögen, seine Altersabsicherung und seine Reputation wegbrechen, wenn die nächste Krise kommt oder das Unternehmen aus anderen Gründen in eine Schieflage gerät.

Was interessiert hier der Wert des Unternehmens? Es ist doch nur eine theoretische Größe, anhand derer Steuern berechnet oder ein Neidfaktor quantifiziert werden soll. Nur für den Fall, dass der Unternehmer sich vom Unternehmen trennt – durch eine Nachfolge oder einen Verkauf zum Beispiel –, wird anhand vieler Berechnungen und noch viel komplizierterer und vor allem unsicherer Zukunftsprognosen versucht, einen genauen Wert zu ermitteln und ihn am Markt zu erzielen.

Sehr weltfremd und doch bezeichnend für die heutige Zeit, ist der enorme Aufwand, mit dem Wirtschaftsprüfer und Wissenschaftler genauestens Unternehmenswerte ermitteln und im Fachjargon begründen wollen. Es geht hier um Rechenmodelle, die mit fast beliebiger Komplexität in allen Tiefen verfolgt und mit ausgetüftelten Faktoren belegt werden. Basis für all diese komplizierten Verfahren sind aber eben nur vage Zukunftsprognosen des Managements! Jeder Unternehmer weiß, dass nichts so unsicher ist wie die Zukunft eines Unternehmens. Keine Prognose tritt in der Realität so ein wie vorhergesagt. Die sogenannte „Prognosegenauigkeit“ von großen, am Aktienmarkt gehandelten Unternehmen beruht nach meiner Überzeugung in erster Linie auf einer sehr hohen Kunst der Buchführung, deren Ergebnisse in ganz legalem Rahmen hervorragend jeder Prognose angepasst werden – bis es hin und wieder zu einer großen „Korrektur“ kommen muss.

Einige, mir persönlich bekannte, Familienunternehmer vertreten im anderen Extrem die Ansicht, dass das Unternehmen ihnen gar nicht im eigentlichen Sinne „gehöre“, sondern sie es nur für die nächste Generation verwalten und verbessern wollen. Diese Ansicht teile ich nicht – schon deshalb nicht, weil die „nächste Generation“ keinerlei Verpflichtungen zum Einstieg haben sollte. Auch ist es Aufgabe und Pflicht des Unternehmers, sein Unternehmen stets dem Markt anzupassen, zu verändern und ggf. sogar neu zu erfinden. Hier kann der Gedanke vom „Bewahren“ und „Verwalten“ in zu konservativer Auslegung sogar destruktiv wirken.

Also, was interessiert ein „Unternehmenswert“ als fiktive Zahl, die sich von Jahr zu Jahr je nach Marktsituation, Zukunftsprognose, Konjunktur, Zinsniveau, technologischer Entwicklung und allgemeiner Unternehmenssituation ändert? Er ist irrelevant – konzentrieren wir uns lieber auf das, worauf es ankommt: die Kunden von heute und morgen und unsere Mitarbeiter.

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Allgemein, Führung, Marktentwicklung, Werte, Zukunft

Dankbarkeit

Vor ein paar Wochen konnte ich ein Abendessen mit einem befreundeten Unternehmer und Kunden genießen. Genießen vor allem deshalb, weil mich seine Grundhaltung nachhaltig beeindruckte.

Der Maschinen- und Anlagenbau durchlebt weltweit harte Jahre. Die Ausrüstungs- und Ersatzinvestitionen sind überall rückläufig. Märkte wie Russland oder Brasilien sind weggebrochen, und selbst China leidet mittlerweile an einer Überproduktion, insbesondere im Bereich der Schwerindustrie. Hinzu kommt ein radikaler Investitionsstopp im Bereich Öl und Gas sowie die Krisenlage im Nahen Osten.

Mein Geschäftspartner ist als Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens tätig, das zu einer größeren Unternehmensgruppe gehört. An diese muss er berichten und bekommt seine Vorgaben – mit nicht immer verständlichen Hintergründen. Bedingt durch die Wirtschaftslage sind in seinem Unternehmen akut Arbeitsplätze gefährdet, was die Mitarbeiter schnell verunsichern kann. Unter diesen unklaren Verhältnissen sind dennoch massive weitere Investitionen notwendig, damit die Alleinstellungsmerkmale des Unternehmens auf- und ausgebaut werden können.

Nachdem wir uns gegenseitig eine Weile unser Leid über diese Herausforderungen geklagt hatten, sprach er zu meiner Verblüffung: „Weißt du, Andre, obwohl es oft nicht einfach ist, bin ich unendlich dankbar dafür, diesen Job zu haben. Ich darf mein Wissen und mein Können einsetzen, jeden Tag etwas Neues erleben, die Welt kennenlernen, viele interessante Menschen treffen und immer wieder etwas lernen. Ich finde, es geht uns hier in Deutschland und in unserer Position wirklich sehr gut – das wird mir immer wieder bewusst, wenn ich die Welt gesehen habe und hierher zurückkehre. Ich danke wirklich jeden Tag unserem Schöpfer dafür, dass ich diese Arbeit machen darf.“

Was für eine tolle, inspirierende Einstellung! Bei allen Herausforderungen und Problemen nicht zu vergessen, wo wir tatsächlich stehen und wie gut es uns eigentlich geht. Dankbar dafür zu sein, in dem Job zu arbeiten, den man gewählt hat, seine Talente und sein Können an der richtigen Stelle der Gesellschaft einsetzen zu dürfen, lernen zu dürfen und sich entwickeln zu können.

Danke mein Freund, dass Du mir dies einmal wieder neu bewusst gemacht hast.

6 thoughts on “Dankbarkeit

  1. Guten Abend und danke für die Zeilen.
    Genau das kann ich bezeugen.
    Trotz aller Widerwärtigkeiten
    geht es uns in unserem Land prächtig. Es macht Freude hier zu leben und zu arbeiten.
    Das merkt man immer wenn man aus dem Ausland nach Hause kommt.
    Wir müssen diese Erkenntnis viel mehr nach aussen transportieren.

    • Andre Kuhn says:

      Hallo Hr. Wader, Danke für diese nette Bestätigung! Auch Sie haben schon viel Erlebt und Ihre positive Grundhaltung ist sehr motivierend! Mit freundlichen Grüßen Andre Kuhn

    1 Antwort »
  2. Ich finde Ihre Ausführungen sehr interessant, und es ist genau meine Meinung! Wir müssen einfach sehen, dass wir unser Jugend Werte vermitteln, die sie befähigt, auch weiterhin, in dieser schwierigen “Welt Situation”, erfolgreich zu sein und dabei menschlich zu bleiben!

    • Andre Kuhn says:

      Guten Abend Fr. Jentjens, vielen Dank für Ihren Kommentar! Grade heute Abend durfte ich mit meinem Onkel noch einmal zu Abend essen und es wurde mir einmal wieder bewusst, dass wir im Vergleich zu meiner “Eltern-Generation” eine so viel bessere Welt heute vorfinden.

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