Allgemein, Führung, Marktentwicklung, Werte, Zukunft

Dankbarkeit

Vor ein paar Wochen konnte ich ein Abendessen mit einem befreundeten Unternehmer und Kunden genießen. Genießen vor allem deshalb, weil mich seine Grundhaltung nachhaltig beeindruckte.

Der Maschinen- und Anlagenbau durchlebt weltweit harte Jahre. Die Ausrüstungs- und Ersatzinvestitionen sind überall rückläufig. Märkte wie Russland oder Brasilien sind weggebrochen, und selbst China leidet mittlerweile an einer Überproduktion, insbesondere im Bereich der Schwerindustrie. Hinzu kommt ein radikaler Investitionsstopp im Bereich Öl und Gas sowie die Krisenlage im Nahen Osten.

Mein Geschäftspartner ist als Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens tätig, das zu einer größeren Unternehmensgruppe gehört. An diese muss er berichten und bekommt seine Vorgaben – mit nicht immer verständlichen Hintergründen. Bedingt durch die Wirtschaftslage sind in seinem Unternehmen akut Arbeitsplätze gefährdet, was die Mitarbeiter schnell verunsichern kann. Unter diesen unklaren Verhältnissen sind dennoch massive weitere Investitionen notwendig, damit die Alleinstellungsmerkmale des Unternehmens auf- und ausgebaut werden können.

Nachdem wir uns gegenseitig eine Weile unser Leid über diese Herausforderungen geklagt hatten, sprach er zu meiner Verblüffung: „Weißt du, Andre, obwohl es oft nicht einfach ist, bin ich unendlich dankbar dafür, diesen Job zu haben. Ich darf mein Wissen und mein Können einsetzen, jeden Tag etwas Neues erleben, die Welt kennenlernen, viele interessante Menschen treffen und immer wieder etwas lernen. Ich finde, es geht uns hier in Deutschland und in unserer Position wirklich sehr gut – das wird mir immer wieder bewusst, wenn ich die Welt gesehen habe und hierher zurückkehre. Ich danke wirklich jeden Tag unserem Schöpfer dafür, dass ich diese Arbeit machen darf.“

Was für eine tolle, inspirierende Einstellung! Bei allen Herausforderungen und Problemen nicht zu vergessen, wo wir tatsächlich stehen und wie gut es uns eigentlich geht. Dankbar dafür zu sein, in dem Job zu arbeiten, den man gewählt hat, seine Talente und sein Können an der richtigen Stelle der Gesellschaft einsetzen zu dürfen, lernen zu dürfen und sich entwickeln zu können.

Danke mein Freund, dass Du mir dies einmal wieder neu bewusst gemacht hast.

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Allgemein, Führung, Unternehmensführung, Zukunft

Braucht ein Unternehmen eine Vision?

Als ich vor 25 Jahren noch als Student mit meinem Vater über meine zugegebenermaßen damals sehr ehrgeizige, weitreichende Idee für die langfristige Zukunft unseres Unternehmens sprach, erhielt ich nur den trockenen Kommentar: „Na ja, das kannst du dir ja mal über das Bett hängen.“

Damals war ich darüber frustriert und sogar ein wenig erbost – schließlich lernt man doch in der klassischen Lehre der strategischen Unternehmensführung, wie wichtig die Zukunftsvision eines Unternehmens für die strategische Planung ist. Mein Vater als Praktiker hatte sich dagegen nie intensive Gedanken darüber gemacht, wie konkret das Unternehmen in fünf oder zehn Jahren aussehen sollte.

Heute, nach mehr als zwanzig Jahren Praxis in der Unternehmensführung mit detaillierter Unternehmensvision, ausformulierter Strategie und sehr erfolgreicher, umgesetzter Systematik für die Definition und Umsetzung von Jahreszielen, bin ich geneigt, mehr meinem Vater als der klassischen Strategielehre zuzustimmen … Braucht ein Unternehmen überhaupt eine Vision?

Keine Frage – eine konkrete Vorstellung davon, wohin sich das Unternehmen entwickeln sollte, hilft enorm dabei, Chancen zu erkennen und Entscheidungen zu treffen. Eine starke Vision im Sinn von Elon Musks Unternehmen Tesla: „Wir wollen, dass die Automobilwelt elektrisch wird!“ kann viele Mitarbeiter antreiben, Talente anziehen und sogar die Öffentlichkeit bewegen.

Doch mal Hand auf Herz – welcher Mittelständler hat schon so großartige Visionen und für wie viele Unternehmen ist der Anspruch realistisch, die Welt maßgeblich zu verbessern oder verändern zu wollen?

Eine weitere zentrale Herausforderung ist unsere immer dynamischere Umwelt. Niemand ist in der Lage, die Situation in fünf Jahren vorherzusagen – selbst in drei Monaten kann sich die Lage bereits weltweit grundlegend verändert haben. Eine starres Bild der Unternehmenszukunft passt nicht zu unserer heutigen Welt voller Veränderungen. Als Peter Drucker in den 50er-Jahren die klassische Lehre vom „Management by Objectives“ entworfen hat, ging es noch darum, mit maximaler Effizienz ungesättigte Verteilungsmärkte zu versorgen.

„Survival of the Fittest“ – der Anpassungsfähigste überlebt. Das gilt in der heutigen Wirtschaftswelt mehr denn je. Selbst auf kleinsten Nischenmärkten herrscht heute dank drastisch gesunkener Transaktionskosten ein globaler Wettbewerb mit immer höheren Anforderungen an die Geschwindigkeit des Anpassungsvermögens einer Organisation an veränderte Rahmenbedingungen. Ein typisches Beispiel für die heutige Welt der Wertschöpfung ist Software „made in USA“, die in Sekundenschnelle per Download aus dem App Store überall auf der Welt verfügbar ist, mit einem Service aus dem indischen Callcenter und einer Rechnungsstellung aus Irland.

Also – sollen wir unsere Visionen und Zukunftspläne am besten über Bord werfen, auf Strategien und Ziele verzichten und unsere Entwicklung einfach dem Schicksal überlassen? Offen gesagt – viele mittelständische Unternehmen überleben und entwickeln sich auf diese Art aus meiner Sicht hervorragend.

Doch auch wenn eine Unternehmensvision anscheinend nicht notwendig für den Unternehmenserfolg ist, kann sie doch aus unserer Erfahrung heraus in einer hoch dynamischen Umwelt sehr hilfreich sein.

Strategien und Ziele sind ein guter Weg, um systematisch, effektiv und effizient die eigenen Kompetenzen weiterzuentwickeln und das Leistungsvermögen zu verbessern, um die Wettbewerbsfähigkeit steigern. Schnelligkeit, Kosteneffizienz, Innovationskompetenz oder die Förderung der Mitarbeiter würde ich hierzu zählen.

Beispiel: Einer der fünf Punkte unserer vor Jahren definierten Unternehmensvision lautet: „Wir sind ein internationaler Firmenverbund“. Dieses gewiss etwas banale, aber erfolgreiche Bild gibt uns eine Richtung für die notwendige Weiterentwicklung unserer Auslandsmärkte, unserer internen Abläufe und der notwendigen Qualifikation unserer Mitarbeiter. Es macht Entscheidungen für Kooperationen oder sogar Akquisitionen im Ausland leichter, wenn sich die Chancen hierfür ergeben. Auf diese Weise hilft uns dieser Aspekt unserer Unternehmensvision immer wieder, uns erfolgreich international zu behaupten.

Die Welt verändert sich immer schneller. Es ist heute nicht mehr möglich, Jahre in die Zukunft zu planen, wenn sich das Umfeld schon in wenigen Monaten gravierend ändern kann. Dort, wo wir neue Wege gehen und es noch nicht klar ist, wie wir das Ziel erreichen, suchen wir uns heute Schritt für Schritt mit der KATA-Systematik die nächste Herausforderung auf unserem Weg, probieren aus, hoffen zu lernen und uns kontinuierlich zu verbessern.

Damit sind wir eigentlich wieder da, wo mein Vater als Unternehmer angefangen hat. Man braucht nicht unbedingt eine Vision, um als Unternehmen erfolgreich zu sein – auch wenn sie eine Hilfe ist. Man braucht aber den unbedingten Willen zur Verbesserung und Anpassung an sich schnell verändernde Umstände und den kontinuierlichen Fortschritt. Das ist nicht immer besonders großartig – aber erfolgreich.

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Achtsamkeit, Allgemein, Unternehmensführung

Erfahrungen aus dem Seminar „Zen-Leadership“ bei Zenmeister Hinnerk Polenski

Sitzen. In Stille und Kraft. Stunde um Stunde. Tag um Tag. In tiefer Konzentration und ohne Gedanken. Ruhe. Klarheit. Großartig! Das ist eigentlich alles …

Das Zendo

Was hat das mit Führung zu tun? Warum fährt man dazu viele hundert Kilometer ins wunderschöne Allgäu und nimmt sich hierfür einige Tage frei, die man doch so unglaublich dringend für alle möglichen anderen Projekte und Vorhaben benötigt?

Es geht um Meditation, um Achtsamkeit und darum, den eigenen Weg zu finden, aus sich selbst heraus in einer Umwelt voller Veränderungen und Umbrüche. „Die Linie im Chaos“, wie sie Zenmeister Hinnerk Polenski nennt.

Dieser hat speziell für Führungskräfte das „Zen-Leadership“ Seminar entwickelt und führt dies seit vielen Jahren sehr erfolgreich jeden Monat zum Einstieg in die Meditation und Zen-Philosophie mit seinem hoch motiviertem Team durch. Das Thema „Achtsamkeit“ beherrscht mittlerweile (zu Recht) die Schlagzeilen aller großen Wirtschaftsmagazine und hat es auf die Titelseiten von „Focus“, „Wirtschaftswoche“, „Manager Magazin“ und selbst des renommierten „Harvard Business Manager“ geschafft. Meditation als „geistiges Training“ entkommt der „Esoterik-Ecke“ und findet Anerkennung als wirksames Mittel, um Klarheit und Konzentration auch im beruflichen Alltag zu fördern.

Das Zen-Leadership Seminar geht noch weiter. Hinnerk Polenski bietet hier als in Japan ausgebildeter Zenmeister einen extrem reichhaltigen Schatz an östlichen Philosophien und Erfahrungen, die er mit seiner „Daishin-Zen“-Linie für Europäer zugänglich macht. Zen ist unabhängig von Religionen und wird im Christentum wie im Buddhismus praktiziert. Zen bei Hinnerk Polenski bedeutet 0% Esoterik und 100% eigene Erfahrung, der eigene Weg.

Eingang zum Kendo

Nach der dritten Teilnahme an diesem „Zen-Leadership“ Seminar bei Meister Hinnerk Polenski möchte ich gerne ein paar Erfahrungen als Anregung mitgeben und ein paar Worte dazu schreiben, was dies mit Unternehmensführung zu tun hat.

Freitagmorgen 6 Uhr – alle sitzen bereits im Meditationsraum, dem sogenannten Zendo, eine helle Glocke läutet – Stille für die ersten 25 Minuten des Tages! Dann wieder ein Glockenklang und der Ruf „Sarei“ – die kleine japanische Zeremonie zum Ausschank des grünen Tees beginnt.

Mit mir gemeinsam haben sich an diesem Wochenende 14 Führungskräfte aus allen Teilen Deutschlands und den unterschiedlichsten Organisationen und Unternehmen eine Auszeit hier genommen. Wie ich selbst sind einige Teilnehmer Wiederholer, es sind aber auch acht Erstteilnehmer dabei, die alle reibungslos in den bestens bewährten Ablauf integriert werden. Alle haben die Erwartung, eine „Auszeit“ zu nehmen und ihre Erfahrungen mit der Meditation zu vertiefen.

„Erfahrung“ ist dabei der Schlüssel: Zen, insbesondere bei Hinnerk, ist keine Glaubensphilosophie, hat nichts Esoterisches oder Religiöses, sondern es geht einzig um das Erfahren. Wer für sich etwas daraus zieht, kann etwas gewinnen – wer es nicht möchte oder kann, wird nichts verlieren. Jeder Weg in der Meditation ist so verschieden, wie es die Menschen sind, und das Programm ist auch von der Zenschule als freies Angebot zu sehen.

Der intensive Ablauf mit Meditationszeiten von morgens 5 oder 6 Uhr (Samstag kann man früher starten, wenn man möchte , bis abends um 21 Uhr wird von einem abwechslungsreichen, positiven Programm unterstützt. Hinnerk als Zenmeister ist eine Persönlichkeit an sich. Man muss nicht alles verstehen, was er sagt, wenn er in fernöstliche Philosophien abtaucht. Er selbst hat auch keineswegs den Anspruch, dass seine Zuhörer mit allem einverstanden sind. Niemand soll etwas glauben oder einfach akzeptieren – er möchte dazu motivieren, eigene Erfahrungen zu machen und den eigenen Weg zu gehen. Sein Blick für den Menschen und seine Fähigkeiten als Zenmeister sowie seine enorme Disziplin sind darüber hinaus sehr beeindruckend.

Das Teehaus

Beim Seminar steht ihm ein Team von erfahrenen Meditationslehrern zur Seite, allen voran Dr. Constanze Hofstätter, die seit fast zehn Jahren als Trainerin die praktischen Aspekte des Meditierens extrem gut sowohl in der Gruppe wie auch individuell vermittelt. Daneben gibt es Trainer mit langjähriger Führungserfahrung, die dabei unterstützen, die gewonnenen Erkenntnisse auf den (Führungs-) Alltag zu übertragen.

Als sehr motivierend habe ich zudem bei Hinnerk und und seinem Team die Lebensfreude im Seminarablauf empfunden, die oft in einem Lachen zum Ausdruck kommt. Es verleiht dem ganzen Wochenende eine fröhliche Stimmung, die viel zur positiven Energie hier beiträgt. „Zen ohne Lachen ist kein Zen“ hat es Tom Haug (einer der weiteren Trainer und ehemaliger Offizier der Luftwaffe) sehr treffend für mich formuliert.

Im Seminar selbst geht es um die Reise ins Ich, um das Öffnen des eigenen Horizonts, um erweiterte Erfahrungen im Umgang mit sich selbst, um Energie, mit der man um 4.30 Uhr samstagsvormittags ohne Wecker aufwacht und sich auf das Sitzen freut und von der man tagelang weiter zehren kann. Es geht um konkrete Hilfe im Alltag mit Job und Familie und um ein intensiveres Eintauchen in die Meditation. Das Wochenendseminar kann ein guter Einstieg dafür sein, seinen Lebensweg aus der eigenen Person heraus zu finden, egal wie chaotisch die Umwelt auch sein mag. Dass Meditation enorm positive Auswirkungen auf Geist und Körper hat, brauche ich an dieser Stelle nicht mehr anzufügen – es ist wissenschaftlich in der Neurologie wie in der Psychologie erwiesen.

Nachdem dies jetzt mein dritter Wochenend-Workshop bei Hinnerk war, gab es auch weniger Momente im Sinn von „Was mach‘ ich eigentlich hier?“ Gut – es kam immer noch vor, z.B. Samstagmorgen um 5.50 Uhr, nachdem ich nach fast einer Stunde Meditation immer noch nicht richtig abgeschaltet hatte und mich fragte, wofür ich jetzt eigentlich so früh aufgestanden bin. Dafür gab es auch wieder einige neue Momente im Sinn von „Wow – was ist das toll!“ Das passierte dann z.B. 40 Minuten später draußen in der eiskalten Luft der Morgendämmerung, wo ich erstmals beim Gehen vollkommen abschalten und eins mit der Bewegung und der Natur sein konnte. Ach ja, und die Knie schmerzen zu einigen Zeiten immer noch extrem stark, trotz mittlerweile mehr Praxis im Sitzen …

Aus eigener Erfahrung kann ich nach etwas über zwei Jahren Meditationspraxis und dem dritten Wochenend-Workshop bestätigen, dass regelmäßige Meditation Klarheit geben kann. Der Geist kommt zur Ruhe und aus der Stille und den entsprechenden Konzentrationsübungen kann man enorm viel Kraft für sich schöpfen. Die Anleitung durch einen Zenmeister und einer erfahrenen Trainerin von Zeit zu Zeit helfen dabei enorm.

Bei den extremen Veränderungen in unserer Umwelt, der Informationsflut, welche dank E-Mail, Internet und Handy nonstop auf uns einwirkt, und den immer noch weiter steigenden Anforderungen an die Unternehmen und deren Mitarbeiter, ist die Meditationspraxis für mich ein hervorragender Gegenpol, um die Gedanken zu ordnen, zur Ruhe kommen zu lassen und den eigenen Weg zu erkennen. Es ist ein Prozess, der nicht in einem Moment der „Erleuchtung“ die vollständige Vision bringt (so was gibt es wohl nur in der Fiktion oder Esoterik), sondern mit dem man Tag für Tag weiterkommt. Es ist enorm hilfreich für die Führung der eigenen Person und damit ebenso für die Führung eines Unternehmens oder einer Organisation.

Klarheit für den eigenen Weg hilft enorm, die Kraft für alle beruflichen Aufgaben zu finden (sofern diese mit dem eigenen Weg übereinstimmen – sonst ist es an der Zeit, den Beruf zu wechseln) und aus dieser Klarheit heraus seiner Organisation selbst Orientierung zu geben.

Dabei kann ein Meditations-Wochenende ein guter Einstieg sein. Falls jemand im Anschluss daran feststellt, dass dies nichts für ihn ist, hat er zumindest ein paar interessante Erfahrungen machen können und kann daheim den Kopf über ein wenig verrückte Menschen schütteln und lächeln – auch das ist schön.

Der Klostergarten

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Allgemein

Wissen und die „digitale Revolution“ – ein neues Zeitalter?

Was passiert eigentlich gerade in der Welt – erleben wir nach der industriellen Revolution jetzt die ersten Jahre einer digitalen Revolution, und was bedeutet das für die Unternehmen und die Menschen?

Basierend auf den Überlegungen von Kjell A. Nordström (http://kjellnordstrom.eu) und seinem neuen Buch „Urban Express“ ein paar untypische Überlegungen zur aktuellen Entwicklung …

Ein Satz zur industriellen Revolution: Das Handwerk wurde abgeschafft, industrielle Prozesse ermöglichen es uns, in Massen Güter in noch nie gekannter Effizienz zu produzieren und der Mensch wurde ein Teil dieser Prozesskette – austauschbar und entbehrlich.

Die nächste große Veränderung erfolgte durch Lean Management: durchgängige Standardisierung und Optimierung von Prozessen in allen Branchen. Bis dahin ungeahnte Qualitäts- und Produktivitätsstandards wurden erreicht. Immer mehr Menschen arbeiten gleichzeitig in den Prozessen und an der Verbesserungen der Prozesse, was schon deutlich menschlicher ist.

Jetzt startet mit der Digitalisierung alles expliziten Wissens eine neue Revolution – so behauptet Kjell Nordström mit überzeugenden Argumenten.

Ist Wissen heute noch „Macht“? Was bedeutet die Ressource „Wissen“ für ein Unternehmen im Zeitalter der Digitalisierung und des Internets – alles oder nichts … oder sowohl als auch?

Wissen und Informationen galten als die wichtigsten Ressourcen für ein Unternehmen – wichtiger noch als Kapital, Anlagen und Mitarbeiter. Für meinen Vater Klaus Kuhn, der unser Familienunternehmen 1960 gründete, gab es nichts Spannenderes als der Besuch bei einer anderen Schleudergießerei. Das Wissen um die beste Technik, die cleversten Details und die Feinheiten beim Guss der herausfordernden Edelstähle war entscheidend für den Erfolg. Wissen war schwer verfügbar, musste geschützt werden und wurde geheimgehalten. Fachbücher waren schwer erhältlich und wurden wie ein Schatz gehütet (wobei an ihre Qualität der Aufbereitung heute kaum eine Website heranreicht).

Doch „alles, was digitalisiert werden kann, wird digitalisiert – und irgendwann kopiert“ (so Prof. Nordström). Im Internet kann nahezu alles gefunden werden werden – legal oder illegal. Tesla gibt seine Patente frei und veröffentlich diese selbst. Die Anzahl der im Netz verfügbaren Informationen wächst exponentiell. Der Schlüssel ist der Zugang und das Herstellen von Zusammenhängen, was jeder versteht, der schon einmal gezielt im Internet recherchiert hat. Ist es also ein Zufall, dass das Unternehmen (Google) mit der besten und am weitesten verbreiteten Technologie hierfür heute als das wertvollste der Welt gehandelt wird?

Niedergeschriebenes, explizites Wissen ist weiterhin eine notwendige und wichtige Ressource für jedes Unternehmen – absolut notwendig, aber nicht mehr ausreichend für den Erfolg. Neu für uns ist, dass diese Art von Wissen immer öfter frei im Netz verfügbar ist – und damit „kostenlos“. Auf Basis dieses Wissens lassen sich keine Wettbewerbsvorteile aufbauen, denn es kann ungehindert rezipiert werden.

Es gibt jedoch auch eine andere Art von Wissen, die nicht digitalisiert und kopiert werden kann. „Tacid knowledge“ nennt es Kjell Nordström, praktisches Wissen der Volksmund. Es ist das implizite Wissen, das „Know-how“ eines Meisters, die Handwerkskunst eines Könners oder die Fähigkeit eines Künstlers. Es ist das „Bauchgefühl“ des Unternehmers, mit dem er Entscheidungen trifft, oder das Gespür für den Markt und erfolgreiche Innovationen eines Gründers wie Steve Jobs.
Es kann nicht durch Wort und Schrift übertragen werden, sondern nur durch Erfahrung erlangt und – falls überhaupt – persönlich weitergegeben werden. Eine Anmerkung am Rande: Interessanterweise ist es in Deutschland seit Jahrzehnten gut geübte und weltweit bewunderte Praxis, dieses Wissen in der praktischen Ausbildung in Betrieben neben den theoretischen Schulinhalten an junge Menschen weiterzugeben.

Hier liegt der Schlüssel zur Einmaligkeit und nicht einfach kopierbaren Wettbewerbsvorteilen in den Zeiten des Internets: aus Kundensicht erfolgsentscheidende Merkmale auf der Basis von implizitem Wissen, was so gut wie nicht digitalisiert und kopiert werden kann.

Das Schöne hieran ist: Diese Art von Wissen und Können ist an den individuellen Menschen und seine Talente gebunden. Der Mensch steht damit wieder voll im Mittelpunkt und die Organisationen, die sich hierauf einstellen, werden erfolgreich sein.

Nach zwei Jahrhunderten, in denen zunächst Maschinen, Kapital sowie zuletzt Wissen und Informationen die wichtigsten Ressourcen für den Unternehmenserfolg waren, kann es sein, dass jetzt der Mensch, das Individuum an sich, mit seinen einzigartigen Talenten der Schlüssel für unnachahmliche Wettbewerbsvorteile und damit für den Erfolg sein werden. Die Folgen hiervon inklusive der kommenden Verwerfungen sind noch gar nicht absehbar – aber das Grundprinzip erscheint wunderbar und gibt Hoffnung auf eine noch menschlichere Welt.

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Politik und Zeitgeschehen

Was bringt die Zukunft – wo führt das alles hin?

“Prognosen sind immer schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen.“ (Ebenso unklar ist leider laut Wikipedia, von wem dieses viel genutzte Zitat stammt.)
Wer denkt nicht oft über die Zukunft nach? Voller Freude oder voller Sorge, voller froher Erwartungen oder voller pessimistischer Gedanken? Wer fragt sich nicht, was kommen wird?

Dieser Artikel handelt von der zunehmenden Komplexität und den Herausforderungen, überhaupt noch für die Zukunft zu planen – denn wir scheinen vor den größten Veränderungen der Menschheit der letzten Jahrhunderte zu stehen.

Es gehört zur guten Unternehmensführung, möglichst weitsichtig zu planen und das Unternehmen in die richtige Richtung weiter zu entwickeln. Eine spannende, herausfordernde Tätigkeit – nicht zuletzt deshalb, weil sich die Rahmenbedingungen – die äußeren Umstände – permanent ändern.

Seit vielen Jahren läuft die Planung in unserem Unternehmen dank ausgezeichneter Beratung durch Weismann & Cie. (weissman.de) fast genau nach Lehrbuch. Wir entwickeln eine gemeinsame Vision von der langfristigen Unternehmenszukunft, malen das Bild in unseren Köpfen und bringen es möglichst konkret, fassbar, verständlich und emotional motivierend zu Papier. Auf Basis dieser Vision, der großen Trends in unseren Märkten und in unserer Umwelt sowie unserer eigenen Kernkompetenzen, Stärken und Schwächen entwickeln wir dann die Strategie der nächsten fünf Jahre als den Weg in Richtung dieser Vision. Jedes Jahr setzen wir uns dann die Unternehmensziele mit Teilzielen und Maßnahmen, anhand derer wir uns weiter entwickeln wollen.

Ich bin ein Fan dieses Prozesses, der uns über die Jahre systematisch weiter bringt – wenn wir uns wirklich diszipliniert daran halten.Das funktioniert im Tagesgeschäft mal besser, mal schlechter – aber es funktioniert.

Doch von Jahr zu Jahr werden die Vorausschauen immer kurzfristiger. Selbst die Geschäftsführer von großen, sehr langfristig orientierten Familienunternehmen gestehen unter vier Augen ein, dass sie im Prinzip „nur noch auf Sicht“ fahren und sich die Zukunft in immer dichterem Nebel verbirgt.

Die Weltwirtschaft scheint immer mehr den Wettervorhersagen zu ähneln. Hier lehrte uns bereits in den 80er-Jahren die Chaostheorie der Physik, dass “der Flügelschlag eines Schmetterlings in Australien darüber bestimmen kann, ob in Florida ein Tornado entsteht.“ Auch bei noch so detaillierter Kenntnis der Ausgangslage ist es unmöglich, die Zukunft auch nur annähernd vorher zu sagen. Dies betrifft einfache, nichtlineare Physikexperimente wie ein Doppelpendel ebenso wie unser Wetter oder die Aktienkurse (https://de.wikipedia.org/wiki/Chaosforschung). Der Ökonom Kjell Nordström (http://kjellnordstrom.eu) aus Stockholm beschreibt unsere Gesellschaft in seinem neuesten, äußerst lesenswerten Buch „Urban Express“ als ein „chaotisches System 2. Ordnung“, in welchem wir uns bewegen (http://www.urbanexpress.se/en/). Da diese Nicht-Vorhersagbarkeit solcher Systeme mathematisch erwiesen ist, verblüfft es doch immer wieder, wieviel Aufwand Menschen betreiben, um das Wetter oder die Märkte dennoch langfristig zu prognostizieren. (Anmerkung zum Titel von Kjell Nordström: ein System 2. Ordnung beschreibt man selbstbezügliche Systeme, in der der Beobachter Teil der Beobachtung ist).

Mit einfachen Worten: Jede Prognose der Zukunft ist an den Haaren herbei gezogen, auch wenn sie noch so schlau daher kommt.

Dennoch lassen sich einige Trends erkennen – hier ein paar Stichworte:

Die unglaubliche Verschuldung, angefeuert durch das „billige Geld“ der Null-Zins-Politik: Zins und Zinseszins sind eine Exponentialfunktion und können daher nicht dauerhaft zu einem stabilen System führen. Schulden wachsen überall und auf allen Ebenen dramatisch – in Privathaushalten in der Wirtschaft wie auf allen Länderebenen.

Die Politik versucht mit dem „billigem Geld“ die Wirtschaft „anzukurbeln“: Seit dem Jahr 2008 sind die weltweiten Schulden um mehr als 40% angestiegen – jedoch ohne ein nennenswertes Wachstum zu erzeugen! (Quelle: F. Malik: Navigieren in Zeiten des Umbruchs, 2015)

Wann werden es zu viele Schulden? Wann werden so viele Schuldner ausfallen, dass wie in einer Kettenreaktion das ganze Finanzsystem kippt (was 2008 beinahe geschehen wäre)? Wer glaubt noch ernsthaft, dass diese Schuldenberge jemals zurück gezahlt werden können?

„Megatrend“ demografische Entwicklung: Die Überalterung der Gesellschaft steigt überall auf der Welt drastisch, in den entwickelten Ländern inkl. China in Kombination mit einer extremen Urbanisierung. Hinzu kommt die grade höchst aktuelle, möglicherweise in diesem Umfang noch nie dagewesene Dimension der Völkerwanderung.

Unsere ökologische Entwicklung ist global betrachtet ebenfalls dramatisch. In Deutschland nimmt man dies im Alltag kaum wahr, wer aber nach China oder in andere asiatische Länder reist und erfährt, welche schlimmen Verhältnisse dort in Bezug auf die Qualität von Luft und Wasser herrschen ahnt, dass es zu durchgreifenden Veränderungen kommen muss.

Im Internet findet eine Explosion von Daten statt, die durch die automatisierte DNA-Entschlüsselung im kommenden Jahrzehnt noch einmal vervielfacht wird (Anmerkung: Es wird angenommen, dass die Daten aus der DNA-Entschlüsselung bereits im Jahr 2018 die Daten aller Videofilme im Internet bei Weitem übertreffen werden). Die Bedeutung und Interpretation von Daten wird immer entscheidender, denn im Prinzip sind fast alle Daten schon vorhanden, wir wissen nur nicht wie wir sie richtig verknüpfen und anwenden können…

In der Wissenschaft und Technik stehen wir vor höchst bedeutsamen Durchbrüchen in einer ganzen Vielzahl von Disziplinen: Materialwissenschaften, Energieforschung, Biotechnologie, Robotik, Gentechnologie, Neurologie, Krebsforschung, Wearables, Digitalisierung und Industrie 4.0 – um nur einige Stichworte zu nennen, hinter denen sich in den nächsten Jahren neue Revolutionen verbergen können.

Doch der Philosoph Richard David Precht hat im Oktober 2015 unsere Lage sehr treffend mit einer „portugiesischen Galeere“ verglichen. Es handelt sich hier um eine sogenannte „Staatsqualle“ aus einer ganzen Kolonie voneinander abhängiger, hoch spezialisierter Polypen. Die gesamte Erscheinungsform agiert wie ein einzelnes Lebewesen, ohne dass es irgendwo ein zentrales, steuerndes Organ gibt. Faszinierend – so erscheint es heute auch in unserer Welt zu laufen. Wir haben sehr viele, sehr intelligente und hoch spezialisierte Experten an wichtigen Schlüsselfunktionen unserer Gesellschaft – jedoch scheint es keine steuernde Funktion mehr zu geben.

Stehen wir, wie es Prof. Malik ausdrückt, vor der nächsten großen Transformation in der Menschheitsgeschichte?

Können wir dann als Individuum wie auch als Unternehmen nur noch reagieren und uns nur „auf Sicht“ noch möglichst flexibel aufstellen? Sind Ziele und Strategien jetzt überflüssig, da es sowie anders kommt als man denkt?

Unsere Antwort: ein entschiedenes „Nein!“

Auch wenn wir nicht wissen, wo die Märkte und die Gesellschaft in einem Jahr stehen können und müssen wir uns weiter entwickeln. Je wettbewerbsfähiger und stärker wir als Unternehmen sind, desto eher können wir Krisen meistern und von Veränderungen profitieren.

Es geht darum wie beim Schach Heuristiken oder Handlungsstrategien zu erstellen, um die eigene Position zu verbessern. Auch wenn wir nicht wissen, welche Lösung in Zukunft genau gefordert ist wissen wir dennoch, welche Strategien erfolgsvorsprechend sind: die Stärkung unserer Wettbewerbsposition, unserer Schnelligkeit, unserer Kernkompetenzen und die Nähe zum Kunden und zum Markt.

Klein- und mittelständische Unternehmen sehe ich hier sogar besser aufgestellt: Mit unserer schnellen Anpassungsfähigkeit sollten wir großen Unternehmen grade in Zeiten vieler Veränderungen tendenziell überlegen sein und Chancen, die sich hier unvermeidlich auch bieten, schneller wahrnehmen können.

Stehen wir vor einem neuen Zeitalter, in dem – wie Malik es beschreibt – die Kinder die Welt ihrer Großeltern nicht mehr verstehen können? Es sind spannende Zeiten, doch gerade das macht diese Zeit so lebenswert! Angst ist oft eine reflexhafte Reaktion auf Ungewissheit, doch im Vertrauen auf unsere Stärken als Individuum, als Unternehmen und als Gesellschaft können wir uns auch darüber freuen, mit zu gestalten und so viel Neues erfahren zu dürfen. Wenn ich unsere Lage mit der meiner Elterngeneration während und nach des Krieges vergleiche so empfinde ich unsere Sorgen als klein im Vergleich zu ihren damaligen existenziellen Nöten und bin mehr als dankbar, in der heutigen Zeit in unserem Land leben zu dürfen.

Schaun wir mal ;-)

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Motorsport und Management

Die VLN- (VLN Langstreckenmeisterschaft Nürburgring) Saison 2015 ist vorbei und wurde mit ein paar großartigen Erfolgen „meines“ Teams Black Falcon (ohne mich in den letzten Rennen) beendet. Motorsport – für die einen der Wahnsinn auf Rädern, für die anderen die Leidenschaft schlechthin … oder wie es die 14-jährige Tochter meines Co-Fahrers vor dem letzten 24-h-Rennen so treffend formulierte: „Ihr macht da 24 Stunden nichts anderes als im Kreis zu fahren? Wechselt ihr denn nicht mal die Richtung? Wird das nicht unheimlich langweilig???“

Neben meiner leidenschaftlichen Tätigkeit als Unternehmer bewege ich sehr gerne schöne Autos auf schnellen Runden, vorzugsweise im Rahmen der VLN auf dem Nürburgring. Nach ein paar Erfolgen in diesem Jahr beim 24-h-Rennen sowie in der VLN kam mir immer öfter der Gedanke, dass die Zusammenhänge zwischen Motorsport und Management größer sind als gedacht …

Ausgangspunkt war der Sieg in meiner Klasse im 24-h-Rennen. Das hatte ich als erstmaliger Teilnehmer bei diesem größten Autorennen der Welt weder erwartet noch verdient. Mir wurde völlig klar, dass neben ganz viel Glück (dazu später mehr),  das Team im Motorsport wichtiger ist als der Fahrer – und das ist genauso wie bei uns im Unternehmen …

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Unternehmen sind um die Idee der Zusammenarbeit heraus entstanden – die Unternehmensleistung kann nur durch ein Team entstehen. Gleiches gilt für ein Autorennen, insbesondere Langstreckenrennen. Es ist unglaublich, welchen Belastungen ein Fahrzeug während vieler Stunden Rennbetrieb ausgesetzt ist und wie umfangreich die Vorbereitung hierfür sein muss – ebenso wie der blitzschnelle Einsatz bei Tankstopps, Reifenwechsel oder der Behebung kleinerer Störungen. Je länger man fährt, desto mehr kommt man zu der Überzeugung, dass das Ergebnis vielleicht noch mehr von den Kollegen an der Box und deren fehlerfreier Arbeit vor und während des Rennens, als von der eigenen fahrerischen Leistung abhängig ist.

Besonders bei Langstreckenrennen, wo sich mehrere Fahrer ein Auto teilen, kommt es weniger auf einen einzelnen Star, sondern mehr auf die gute Leistung aller an. Es ist genau so wie im Unternehmen. Die Vorbereitung ist ebenso wichtig wie die schnelle Unterstützung bei Problemen. Der Chef legt die Strategie fest, führt aber nicht selbst aus und ist auf seine Leute vor Ort angewiesen, die schnell und richtig selbstständig entscheiden müssen. Eine gute Kommunikation im gesamten Team ist erfolgsentscheidend, um Probleme frühzeitig zu erkennen und lösen zu können.

Man verlässt sich aufeinander und vertraut, das eigene Ego steckt zurück

N24H15A_5675Unser 24-h-Rennen am Nürburgring 2015: vier Fahrer auf einem Auto. Unser schnellster Fahrer hatte ein besondere Fehde mit dem Spitzenfahrer eines konkurrierenden Teams – es ging darum zu beweisen, wer der schnellste am Ring in unserer Klasse ist. Doch 24 Stunden sind sehr lang – eine schnellste Rennrunde zählt recht wenig, eine unfallfreie Rennrunde dagegen extrem viel. Und ein ganzes Team inkl. der drei weiteren Fahrer auf dem Auto müssen leiden, wenn zu viel Ehrgeiz zu einem Ausfall führt. Genauso sieht es im Unternehmen aus – es geht nicht darum, dass ein Einzelner sein Ego durchsetzt, sondern es geht um den langfristigen Unternehmenserfolg. Dazu gehört es, beim Kunden auch einmal zurückzustecken, nachzugeben und dessen Erwartungen gerecht zu werden – um für das Unternehmen weitere Aufträge zu gewinnen.

Perfekte Vorbereitung zahlt sich aus

Ich glaube, kein Team am Nürburgring – nicht einmal die Werksteams von Audi und BMW – kann hier wie Black Falcon in der blitzsauberen und top organisierten Werkstatt die Fahrzeuge so umfassend professionell auf den Dauereinsatz in der „grünen Hölle“ vorbereiten. Der Erfolg zeigt sich in so gut wie keinen Ausfällen aufgrund von technischen Defekten selbst bei Kleinigkeiten. Je anspruchsvoller die Aufträge im Unternehmen sind, desto besser und aufwendiger müssen sie auch vorbereitet und geplant werden. Hierzu helfen im Management wie im Motorsport Checklisten, viel Erfahrung und sorgfältige Planung.

Kontinuierliche Verbesserung in vielen kleinen Schritten

N24H15B_0596Erfolge entstehen nicht von heute auf morgen, sondern sind das Ergebnis vieler kleiner und mühevoller Schritte. Black Falcon hat viele Jahre gebraucht, um den heutigen Standard zu erreichen und arbeitet immer noch nach jedem Rennen an Detailverbesserungen. Ebenso ist es im Unternehmen überlebenswichtig, aus jedem Auftrag zu lernen und nach Möglichkeit immer ein Stück besser zu werden – denn die Anforderungen der Kunden steigen im internationalen Wettbewerb konstant.

Null Fehler in der gesamten Prozesskette

Eine einzige falsch angezogene Schraube, ein vergessenes Detail und das ganze Rennen ist im Eimer. Genauso reicht der kleinste Fehler im langen Herstellungsprozess der Produkte in unserem Unternehmen aus, um Ausschuss zu erzeugen, hohe Kosten zu verursachen und den Kunden dadurch mit einer Terminverschiebung zu verärgern. Alle„Rädchen“ müssen reibungslos ineinandergreifen, und ein einwandfreies und pünktlich geliefertes Produkt ist immer das Ergebnis einer langen Reihe fehlerfreier Arbeitsschritte in der Produktion wie auch der Administration.

Kenne deine Konkurrenz

Welcher Fahrer hat welche Stärken und Schwächen? Wie kombiniert man diese am besten mit der Fahrerbesetzung des eigenen Fahrzeugs, um Druck zu erzeugen, zu überraschen oder die Konkurrenz dann zu überholen, wenn sie es am wenigsten erwartet? Im Unternehmen geht es eher darum, der Konkurrenz möglichst aus dem Weg zu gehen und Kunden dort mit seinen Stärken zu überzeugen, wo es wenige Konkurrenzangebote gibt – sei es bei der Qualität, der Lieferzeit oder – am ungünstigsten – beim Preis.

N24H15A_4606Nach dem Rennen ist vor dem Rennen

Während der Saison gibt es keine wirkliche Ruhepause, denn direkt nach dem Rennen muss man bei der Vorbereitung der Fahrzeuge wie bei dem Lernen aus der eigenen Erfahrung direkt an den nächsten Einsatz denken. Auch im Unternehmen hoffen wir, dass es nicht zu Pausen durch Auftragslücken kommt, sondern dass die nächste Herausforderung nach erfolgreicher Lieferung eines Auftrags schon wartet …

Das Wetter ist wie die Konjunktur

Nordschleifen-Wetter: Gibt es etwas Unbeständigeres? Kaum eine Wettervorhersage hat in der Eifel Bestand. Alles ist möglich – ungetrübter Sonnenschein, wo eigentlich Regen angesagt war, bis hin zu Hagel und sogar Schnee an einem angeblich schönen Wochenende. In der heutigen Zeit gilt diese Analogie nahezu vollkommen für die Konjunktur in unserer Branche: Sie wird immer unbeständiger und ist überhaupt nicht mehr verlässlich. Wo man früher noch Monate oder gar Jahre in die Zukunft schaute, ist es heute selbst für unsere erfolgreichsten Kunden nicht mehr möglich, mehr als einige Wochen vorherzusehen. Die nächste Wirtschaftsnachricht aus dem fernen Ausland kann die Konjunkturlaune wieder komplett umwerfen und einen Kurswechsel erforderlich machen.

N24H15A_5450Glück ist ein wesentlicher Faktor

Von Siegern im Motorsport wie in der Wirtschaft hört man viel über Erfolgsfaktoren, Strategien, richtigen und wichtigen Entscheidungen und tausend anderen Gründen, die zum Erfolg geführt haben … nur vom Glück liest man selten etwas. Dabei ist Glück im Motorsport wie im Management ein ganz entscheidender Faktor. „Das Glück ist mit dem Tüchtigen“ – das ist etwas Wahres dran. Nur derjenige, der die Voraussetzungen zum Erfolg erarbeitet, kann auch erfolgreich sein. Doch bei aller Arbeit – immer spielt auch das Glück eine ganz entscheidende Rolle, und im Motorsport wird einem diese Wahrheit leider oft vor Augen geführt – spätestens dann, wenn es wieder einmal nicht mehr gepasst hat …

IMG_5675Genieße den Erfolg und sei dankbar

Last but not least – feiern, wenn man einmal wirklich erfolgreich war! Ein guter Platz in der Wertung oder ein guter Monat im Unternehmen, eine gewonnene Saison oder ein erfolgreiches Jahr – es ist einfach nicht selbstverständlich und daher immer ein Grund, dies gebührend zu feiern! Zugegeben – dies gelingt im Motorsport einfacher als im Management, wo doch immer direkt die nächste Herausforderung vor der Türe steht. Man sollte dennoch – oder grade deswegen – lernen, Erfolge zu genießen. Ich muss zugeben, dass ich hier im Unternehmen noch viel zu lernen habe, was mir im Motorsport sehr bewusst geworden ist.
Also – sollte der Motorsport zur Pflichtausbildung jedes Managers gehören? Darüber sollen bitte die Leser entscheiden, während ich versuche, noch ein wenig von den Erlebnissen dieser wunderbaren Saison mit Black Falcon zu zehren.

(Wenn dieser Artikel etwas zu sehr nach „Werbung“ für Black Falcon klingt, so ist dies kein Zufall, sondern voll und ganz beabsichtigt – Danke, ihr seid ein fantastisches Team!)

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Unternehmensführung

Unternehmensnachfolge

Unternehmensnachfolge … ein Thema, das für jeden Familienunternehmer irgendwann einmal eine hohe Bedeutung bekommt. Ende August durfte ich in meinem Unternehmen das offizielle 20. Jubiläum feiern und wurde hier durch einige extrem herzliche Aktionen unserer Mitarbeiter auf wunderbare Weise überrascht, wie ein Blick auf das Foto zeigt … Zeit einmal zurückzublicken zu meiner persönlichen Sicht der damaligen Unternehmensnachfolge, die von meinem Vater – wie so vieles in seinem Leben – völlig unkonventionell, anders und erfolgreich angegangen wurde. Auf einer abstrakten Ebene vielleicht auch ein Lehrstück für das, was wirklich wichtig ist: Werte, Menschen und klare Prioritäten anstelle von detaillierten Plänen und Methoden …

Jubilaeumsbild
26. August 1995: mein erster Arbeitstag im Unternehmen. „Herzlich willkommen – jetzt geht es endlich los!“ hatte mein Vater zu mir gesagt und mich in ein kleines Büro geführt. Die Organisation des ersten Tages wie des gesamten Einstiegs – inkl. meiner Rolle im Unternehmen – war mir selbst überlassen. Ich solle mich einfach erst einmal zurechtfinden. Am Ende des ersten Tages kam mein Vater dann mit seinem langjährigen Berater in mein Büro und fragte mich, wie es gelaufen wäre. Sein Berater schaute in einen Papierkorb, sah hierin etwas Müll und rief darauf aus: „Aha, er hat also schon gearbeitet!“
Was für ein Abstieg! Nach Turbostudium an der RWTH Aachen hatte ich die Aussicht auf eine Promotion in den Wind geschrieben, um in das väterliche Unternehmen einzusteigen. Ohne Titel, ohne Aufgabenbereich, ohne Funktion – einzig und allein mit der Aufgabe, mich einzuarbeiten, um irgendwann einmal das Unternehmen zu übernehmen. Nach dem quirligen Leben in Aachen – am Puls der Zeit unter vielen Freunden und mit den besten Aussichten – zurück ins ländliche Radevormwald in ein, mit damals etwa 110 Mitarbeitern, eher überschaubares Unternehmen, dessen Führungsriege außer zwei weiteren Führungskräften und mir nur aus Männern im gehobenen Alter bestand. Dabei lag mein Einstiegsgehalt deutlich unter dem, was ich mit meinem Abschluss an anderer Stelle bekommen hätte.
Dennoch brannte ich darauf, endlich zu arbeiten, endlich etwas Produktives zu tun und nach neun Semestern Studium in die Praxis zu starten! Ich wollte immer Unternehmer sein und hatte jetzt die Chance, ein Unternehmen zu übernehmen, dessen Technik, Organisation und Menschen mich begeistern konnten. Ich konnte nicht einmal den Monatswechsel abwarten, sondern wollte nach dem Umzug von Aachen nach Radevormwald sofort beginnen. Aber wie sollte dies nur funktionieren? Hier der junge, heißblütige Akademiker, voller Neugier und Tatendrang, mit viel Theorie, aber wenig Praxis – dort die beiden Brüder Klaus und Hans Kuhn als Senioren, Praktiker durch und durch, für die das Wort „Akademiker“ fast schon einer Beleidigung gleichkam.
Visionen, Ziele, Pläne, Maßnahmen – all diese Begriffe gab es damals im Wortschatz meines Vaters und meines Onkels nicht. Als ich einmal zaghaft meine Vision zum Ausdruck brachte, unser Unternehmen zum weltweit führenden Edelstahl-Schleudergießer zu entwickeln, meinte mein Vater dazu nur trocken, das könne ich mir dann ja mal übers Bett hängen. Dementsprechend gab es weder für meinen Einstieg noch für den Übergangsprozess einen Plan, ein festes Ziel, Meilensteine oder abgesprochene Termine – auf all das wollte mein Vater sich nie einlassen.
Doch nur drei Jahre später war die Übergabe erfolgreich vollzogen – zur Freude aller Beteiligten ohne größere Probleme, ohne Einschnitte und mit fortwährend positiver Unternehmensentwicklung. Wie konnte das passieren?
Werte, Prioritäten und Menschen …
Vertrauen: mein Vater und mein Onkel hatten mir zugesichert, die Übergabe so schnell wie möglich zu vollziehen. Darauf habe ich vertraut – auch ohne dass dies mit festen Daten hinterlegt war und ohne zu wissen, was „so schnell wie möglich“ denn genau bedeutet. Als mein Vater mir dann nach zwei Jahren die Hälfte seiner Anteile überschrieb und mich als 27-Jährigen neben ihm zum gleichberechtigten Partner in der Unternehmensführung machte, war dies der größte Vertrauensbeweis von seiner Seite, den man sich vorstellen konnte.
Klare Prioritäten: Die Firma kam in unseren Diskussionen an erster Stelle und es ging immer darum, was für die Firma das Beste in Unternehmensfragen ist, nicht für einen von uns persönlich. Darauf zielten alle Schritte der Übergabe ab.
Menschen: Von Anfang an fand ich im Unternehmen die „richtigen Menschen“ vor: Mitarbeiter und Führungskräfte, denen auch ich mein volles Vertrauen schenken konnte. Angefangen von meinem Onkel Hans Kuhn, der mit seiner ruhigen, überlegten Art zwischen den eher „heißblütigen“ Charakteren meines Vaters und mir vermitteln konnte, über unseren Senior-Vertriebsleiter Heinz Homburg, der von Anfang an genauso zu mir wie zu meinem Vater stand, bis hin zu unserem kaufmännischen Leiter Frank Lessing, dessen Einstellung zu unseren Mitarbeitern und Werten vollkommen zu meiner eigenen passte. Darüber hinaus kam auch ich in den Genuss einer sehr schönen Seite unserer Firmenkultur, die noch heute besteht: Neue Mitarbeiter werden bei uns an allen Stellen freudig empfangen und gerne aufgenommen!
Eine derart komplexe Angelegenheit wie die Unternehmensnachfolge kann schwer in wenigen Worten beschrieben werden – doch rückblickend möchte ich sagen, dass dies der Schlüssel für die mit Sicherheit erfolgreich verlaufende Übergabe unseres Unternehmens an die nächste Generation war. Danke an meinen (leider viel zu früh verstorbenen) Vater und meinen Onkel Hans Kuhn!
Und weiter?
Nachdem meine beiden Söhne überwiegend naturwissenschaftlich orientiert sind und der ältere von beiden sogar gerne wie ich Maschinenbau studieren möchte, bemerkten ein paar Freunde hierzu: „Da bist du doch sicher froh, wenn hier jemand in deine Fußstapfen tritt!“ So nett diese Aussage gemeint war, so sehr möchte ich ihr widersprechen. Mein Wunsch an meine Söhne ist es, dass sie ihren eigenen Weg gehen, sich selbst treu sind und sich die Tätigkeit im Leben suchen, mit der sie glücklich werden! Spätestens nach einer möglichen Übergabe des Unternehmens müssen sie ihre eigenen Wege gehen, denn nur der konstante Wandel ist in der Wirtschaft beständig – da gibt es keine „Fußstapfen“ mehr, denen man folgen kann. Wenn für meine Söhne die Führung unseres Unternehmens ihr eigenes Glück bedeuten könnte, wäre das schön. Die Unternehmensnachfolge innerhalb der Familie ist für mich als Familienunternehmer jedoch zweitrangig im Vergleich zum Lebensglück meiner Söhne. Jeder Weg, den meine Söhne mit ihren Werten, Einstellungen und Talenten glücklich macht, wird der richtige sein. Ich bin im Übrigen der Überzeugung, dass dies auch die Einstellung meines Vaters war – und eine wesntliche Voraussetzung für eine mögliche und erfolgreiche Unternehmensübergabe an die nächste Generation ist.

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Länderberichte

Japanische Impressionen

Japan – das Land des ewigen Lächelns? Ist Ihnen ein Land wie die Schweiz zu chaotisch, unordentlich und undiszipliniert? Dann könnte Japan genau das Richtige für Sie sein!

Nach mehreren beruflichen wie privaten Reisen in Japan ist es für mich immer wieder erstaunlich, wie extrem ordentlich, diszipliniert und reglementiert dieses Land ist. „Die Zwangsjackengesellschaft“ nannte es der japanische Autor Masao Miyamoto (https://en.wikipedia.org/wiki/Masao_Miyamoto).

Makellos ist der Randstreifen der Autostraße bepflanzt, lückenlos sind die Grundstücke in den Vororten von Tokio wie ein Bonsaigarten gehegt und gepflegt, sodass kein Quadratzentimeter ungenutzt bleibt. Obwohl man oft lange nach einer Mülltonne auf den Straßen sucht findet man nirgends auch nur ein weggeworfenen Strohhalm und an den Ampeln bleiben selbst in der Großstadt Tokio alle Fußgänger auch um Mitternacht vor dem Rotlicht stehen – ohne jeden Verkehr auf der Straße.

View from the sky tree

Tokyo from above – view from the sky tree

Das äußere Erscheinungsbild spiegelt sich in einer Fülle von Regeln im Umgang miteinander wieder. So habe ich gelernt, dass man auf der schönen Strecke um den Kaiserpalast nur gegen den Uhrzeigersinn laufen darf (was natürlich auch nur auf Japanisch auf den Schildern zu lesen ist) und auch nur auf bestimmten Wegen. So findet man sich als Läufer in den Morgen- und Abendstunden schnell innerhalb einer Menge von gleichförmig laufenden Menschen wieder, die wie in einem Wettbewerb einheitlich die vorgeschriebene Bahn auf dem Gehweg verfolgen.

Auch als Kunde hat man sich genau an Regeln zu halten. So wurden wir mit dem freundlichsten Lächeln und tiefen Verbeugungen beim Check-in darauf hingewiesen, dass das maximale Gewicht des Gepäcks in der Economy-Class 20 Kilo betrage. Vor den Augen der wartenden Menschenmenge mussten wir so lange Gegenstände aus dem Koffer herausnehmen, bis die Wage exakt 20 kg anzeigte – auch 20,5 kg wurden nicht akzeptiert. Über den Unsinn, die Bücher dann als Handgepäck zu transportieren, brauchte man nicht zu diskutieren – zwecklos, so sind die Regeln. In einem anderen Fall mussten wir beim Verlassen einer Veranstaltung die Eintrittskarte noch einmal vorweisen. Jemand aus unserer Gruppe hatte sie leider verloren, und es dauerte eine Viertelstunde und die Beteiligung mehrerer (leider auch nur Japanisch sprechender) Vorgesetzter, bis wir hinausgehen konnten – der Sinn dieser Kontrolle, die ja auch beim Zutritt richtigerweise schon erfolgt war, erschloss sich uns bis heute nicht.

The busiest intersection in the world.....

Shibuya crossing – the busiest intersection in the world…..

Wo viele Regeln den Alltag beherrschen, kann man sich dafür auf die Qualität der Produkte und Dienstleistungen voll verlassen. Edwards Deming führte in den 50er- und 60er-Jahren in Japan das Qualitätsmanagement nach festen Regeln und Normen ein, was den Siegeszug japanischer Produkte begründete und überall auf der Welt zunächst in der Produktion, später auch in Dienstleistungsbereichen sehr erfolgreich übernommen wurde (https://en.wikipedia.org/wiki/Quality_management). Die wesentlichen Ideen der heute weltweit als Grundlage dienenden Qualitätsmanagement-Norm DIN-ISO 9000 basieren auf diesen Anfängen.

Im Alltag ist dies sehr angenehm: Nirgendwo funktionieren Automaten z.B. bei der Erkennung von Geldscheinen so schnell und zuverlässig wie in Japan. Die Züge fahren überall auf die Minute pünktlich. Die Toiletten sind auch in öffentlichen Bereichen sehr gepflegt und sauber. Lebensmittel „made in Japan“ sind normalerweise etwas teurer, aber immer von hervorragender Frische und Qualität. Die hohe Zuverlässigkeit japanischer Autos und Maschinen ist weltweit bekannt und geachtet – auch in unserer Produktion setzen wir Zerspanungsmaschinen aus Japan seit den 80er-Jahren sehr erfolgreich ein. Der aus deutscher Sicht traurige Beweis der Überlegenheit der japanischen Werkzeugmaschinenindustrie zeigte sich auch, als MoriSeiki den führenden Maschinenbauer DMG aus Deutschland im Jahr 2013 komplett übernommen hat (https://de.wikipedia.org/wiki/DMG_Mori_Seiki_AG).

Als Kunden stellen Japaner höchste Ansprüche auch in kleinsten Details, was man auch als deutscher Lieferant erst lernen muss. Dies betrifft insbesondere auch die Feinheiten in der Dokumentation, Beschriftung und Verpackung selbst von Industrieprodukten wie Maschinen- und Anlagenkomponenten, wie wir sie herstellen. Auch hier erschließt sich aus deutscher Sicht nicht immer der Sinn, wenn z.B. auch bei der fünften Lieferung wieder die gleiche Prozessbeschreibung mit angefordert wird und kleinste Ungenauigkeiten sofort bemängelt werden. Doch der Markt und die Mentalität setzen hier den Maßstab, den aus japanischer Sicht weltweit kein anderes Land erfüllen kann – nur Deutschen und Schweizern traut man ggf. noch zu, überhaupt in die japanische Liga vorzustoßen. Als Ausländer bekommt man diesen subtilen Überlegenheitsanspruch der Japaner zu spüren – wobei es wie immer auch hier viele Ausnahmen in Form von weltoffenen, toleranten und sehr interessierten Menschen gibt.

Dass der Siegeszug der japanischen Wirtschaft mittlerweile gebrochen ist, könnte auch an der Demographie der am schnellsten alternden Gesellschaft der Welt liegen. Schon heute ist die Menge älterer Menschen im Straßenbild deutlich und jeder internationale Konzern hält sich daher mit Investitionen in diesem Land stark zurück – mit dem Hinweis auf die schrumpfenden Märkte. Die Anzahl der verkauften Autos in Japan wird zum Beispiel im Jahr 2015 noch etwa 6,7 Mio. Stück betragen – im Jahr 2025 könnte dies auf 5 Mio. Stück zurückgehen. Selbst für japanische Autohersteller ist dies zu wenig, um noch im eigenen Land zu investieren. In der Elektronik ist Japan noch in vielen Bereichen führend und in der Robotik um Meilen voraus. Die „echte Musik“ wird aber mittlerweile in Märkten in Korea, China und Taiwan „gespielt“, wo sich die Halbleiterindustrie immer stärker konzentriert.

Ein faszinierendes Land mit hohen Eintrittshürden für ausländische Unternehmer und einem schwierigen Markt. Ein Land, aus dessen kulturellem Hintergrund wir Deutsche viel lernen können, auch wenn sich die hier herrschende Kultur auf fast allen Gebieten auf chinesische Ursprünge zurückführen lässt. Ein Land, welches in Asien aufgrund seiner aggressiven, äußerst brutalen Vorgehensweise im zweiten Weltkrieg in Ländern wie China und Korea noch immer verachtet und sogar gehasst wird, und dessen Kriegsgeschichte bis heute noch nicht aufgearbeitet wurde. Ein Land voller Gegensätze also, was sich unbedingt lohnt, einmal kennenzulernen!

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Die Rente und der Schneeballeffekt

Warum schreibe ich in einem Unternehmerblog über unser Rentensystem? Wurde hierzu nicht schon alles geschrieben und gesagt? Vielleicht deshalb, weil es wenige Entwicklungen gibt, die sich so genau vorhersagen lassen wie in der Demografie und sich deshalb zwangsläufig bei der Rente eines der größten gesellschaftlichen Probleme der heutigen Zeit entwickelt. Nun sind Unternehmer eigentlich von Berufs wegen zum Optimismus verdonnert – ohne eine positive Sicht der Zukunft kann man ein Unternehmen nicht führen. Dennoch ist es fatal, vor Problemen die Augen zu verschließen.

Es geht hier auch um eine grundsätzliche Einstellung zum Thema Schulden. Als Unternehmer wie als Privatmann mache ich Schulden, wenn ich eine Investition finanzieren möchte, die mir langfristig höhere Einnahmen verspricht, wie zum Beispiel eine Maschine oder eine Immobilie. Es kann sich auch um einen Unternehmenskauf handeln, wobei ich hier schon vorsichtiger bezüglich der Erwartung an zukünftige Einnahmen wäre. In der Politik wird mit Schulden eigentlich alles finanziert, so auch unsere Rente. In Zeiten sprudelnder Steuereinnahmen gilt es in der Politik als größte Leistung, nicht noch weitere neue Schulden aufzunehmen. Jeder vernünftige Unternehmer würde hier Schulden zurück zahlen und sich auf härtere Zeiten vorbereiten, doch das ist noch ein anderes Thema.

Anfang des 20. Jahrhunderts kam ein findiger Amerikaner namens Charles Ponzi auf die Idee, mit neuen Schulden alte Schulden zu tilgen. Genauer gesagt nutze er die Einnahmen von neuen Anlegern, um „alten“ Anlegern und sich selbst wundersame Renditen für ihre Anlagen zu zahlen. Diese angeblichen „Renditen“ wurden jedoch nicht erwirtschaftet, sondern stammten zum überwiegenden Teil aus den Geldern der neuen Anleger. Bis zum heutigen Tag findet dieser Grundgedanke des „Schneeballeffektes“ viele Anhänger und wurde in Deutschland noch in den 90er Jahren mit sogenannten Kettenbriefen weit verbreitet. Ein trauriger, höchst „professioneller“ Höhepunkt dieses Betrugsschemas wurde von Bernard Madoff über fast 50 Jahre sehr erfolgreich in New York angewendet, bis diese Blase vor einigen Jahren platzte und er selbst in den USA zu einer Haftstrafe von in Summe 150 Jahren verurteilt wurde.

Was hat das jetzt mit unserer Rente zu tun?

Den Vergleich von unserer Rente zu dem oben beschriebenen „Schneeballsystem“ haben sowohl der britische Ökonom Charles Handy in seinem aktuellen Buch „The second curve” wie auch der Zeit-Management-Pabst Lothar Seiwert in seinem Bestseller „Das neue Zeit-Alter“ herangezogen.
Die Rente in Deutschland wie auch in den meisten Industrie-Nationen basiert auf dem sogenannten Umlageverfahren. Eingezahlte Beiträge werden seit den 60er-Jahren unmittelbar wieder an die Berechtigten ausbezahlt. Mit andern Worten, mit den Rentenzahlungen werden also keine Ansprüche angespart, sondern die Verpflichtungen gegenüber den bisherigen Beitragszahlern erfüllt.

Dies entspricht von der Logik her exakt einem Schneeballsystem.

Es funktioniert so lange, wie es mehr Einzahler als Leistungsberechtigte gibt – idealerweise viel mehr. Es bricht automatisch in sich zusammen, wenn sich die Zahl der Leistungsberechtigten gegenüber den Einzahlern annähert. Genau dies wird mit Sicherheit in einigen Jahren der Fall sein…

Nun gibt es in Bezug auf Vorhersagen für unsere Zukunft neu eine einzige Sicherheit: die demografische Entwicklung einer Bevölkerung (solange man von Kriegen oder Epidemien absieht). Hierzu „braut“ sich besonders in Deutschland der „perfekte Sturm“ zusammen:

  1. Die Babyboomer der 50er- und 60er-Jahre gehen bald in Rente. 1964 war in Deutschland der geburtenstärkste Jahrgang aller Zeiten. Diese Menschen haben wesentlich zum heutigen Erfolg unseres Landes beigetragen und werden in 10 bis 20 Jahren aus dem Arbeitsleben ausscheiden.
  2. Die Lebenserwartung in Deutschland steigt erfreulicher Weise immer weiter an. Im Jahr 2015 beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung neugeborener Jungen in Deutschland bereits fast 78 Jahre. Der Durchschnitt – darin sind alle Sterblichkeitsarten von der Totgeburt über Unfälle der Kindheit, Krebs etc. bereits enthalten. Mit anderen Worten: die Leser dieses Artikels haben gute Chancen, über 90 Jahre alt zu werden.
  3. Die Kosten für unser Gesundheitssystem steigen kontinuierlich, wobei ältere Menschen hier die meisten Kosten für Pflege und Krankheiten „verursachen“. Noch mehr ältere Menschen mit noch höheren Kosten pro Mensch für bessere Behandlungen und bessere Pflege bedeuten exponentiell steigende Gesundheitskosten. Nebenbei bemerkt sind unsere Systeme zur Pflege und Krankenversorgung schon heute chronisch unterfinanziert und die hier tätigen Menschen unterbezahlt. Wenn man diese Missstände verbessern möchte, müssen die Gesundheitskosten nochmals stärker ansteigen.

Diese drei Faktoren kommen unweigerlich auf uns zu. In der Kombination sorgen sie dafür, dass die Aufwendungen für unser Renten- und Gesundheitssystem nicht linear sondern exponentiell steigen werden. Jeder arbeitende Mensch hat in einigen Jahren mehr als einen Rentner inkl. aller weiteren Leistungen für unsere staatlichen Einrichtungen und das Gesundheitssystem zu versorgen. Dies ist schlicht unmöglich. Gleichzeitig wird die arbeitende Bevölkerung nur noch eine Minderheit der Wähler in Deutschland stellen….

Fazit: alle Bürger, die nach Mitte der 60er-Jahre in Deutschland geboren wurden werden im Alter nur noch mit einer Mindestabsicherung bei steigendem Renteneintrittsalter rechnen können. Diese Entwicklung ist unausweichlich. Wir sind alle Opfer eines gigantischen Schneeballsystems, zu dessen Aufbau und Finanzierung wir zwangsverpflichtet wurden.

Es wird sehr spannend, wie wir in Deutschland – ebenso wie viele andere westliche Nationen – in den kommenden Jahrzehnten mit diesem enormen politischen wie sozialen Sprengstoff umgehen werden.

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Sie arbeiten im besten Job der Welt!

Kein Scherz: Sie arbeiten aktuell im besten Job der Welt – egal, wo Sie grade beschäftigt sind! Überlegen Sie mal …

Neulich auf einer Geburtstagsfeier: In größerer Runde fiel mir auf, wie viele der Anwesenden sich über ihren aktuellen Job beschwerten. Ob Lehrer, Angestellter, Geschäftsleiter oder Freiberufler – jeder der Anwesenden hatte eine Menge Gründe, über sein Leid zu klagen. Die Anforderungen wachsen von allen Seiten, die Kunden werden immer anspruchsvoller, die Kinder sind in der Schule immer unkonzentrierter, die Unsicherheit wächst, und die Chefs sind oft die schlimmste Belastung von allen …

Okay, hier kommt der von mir schon öfter zitierte Jens Corssen (http://www.der-selbstentwickler.com) sofort ins Spiel: „Wer ist denn für diese Situation verantwortlich?“ Die Antwort kann immer nur lauten: „Du selbst!“ Da in Deutschland niemand mit vorgehaltener Waffe zur Arbeit gezwungen wird, zur Arbeit zu gehen, muss es ja irgendwann unsere eigene, freie Entscheidung gewesen sein. Wenn Du Dich dafür entschieden hast, kannst Du Dich auch dagegen entscheiden oder etwas an den Bedingungen ändern. Das Prinzip Selbstverantwortung – hier liegt auf der Schlüssel zur Lösung: Du selbst kannst etwas an Deiner Situation ändern.

Warum ändern dann so wenig Menschen etwas an ihrem Job, wenn dieser doch so viel Frust verursacht? Weil Ihnen der Preis hierfür in Form von Risiko, Angst, persönlicher Unsicherheit, Liebe zur ortsnahen Beschäftigung etc. zu hoch erscheint. Wenn uns die Kosten für einen Wechsel aber zu hoch erscheinen und wir bei unserem aktuellen Job trotz aller Herausforderungen und Beschwerden bleiben, so gibt es nur einen einzige Schlussfolgerung: Wir arbeiten aktuell an dem für uns besten Arbeitsplatz der Welt – denn sonst würden wir ihn ja wechseln.

In dieser Erkenntnis liegt der Schlüssel zur Selbstbestimmung und dazu, entweder das Gute am Arbeitsplatz zu erkennen und hierüber glücklich zu sein oder dazu, die Energie zu finden, an den Rahmenbedingungen etwas zu ändern. Dies muss nicht immer direkt einen Jobwechsel bedeuten, oft kann man an der aktuellen Situation durch gezielte Gespräche eine ganze Menge für sich ändern – zum Vorteil für sich selbst wie auch für den Arbeitgeber!

Das Beklagen eines Missstandes ist okay- jeder muss sich mal Luft verschaffen können, den Frust rauslassen. Hier dürfen wir aber nicht stehen bleiben – unserer eigenen seelischen Gesundheit zuliebe. Hier muss die Erkenntnis folgen, dass wir nicht ohnmächtig – also „ohne Macht“ sind sind. Alternativen müssen her – am besten direkt acht! Dies zeigt uns unsere Möglichkeiten und gibt uns die Freiheit der Wahl. Dadurch kommen wir in den Fahrersitz, können die Verantwortung für unsere Lage übernehmen und diese ändern, wenn wir es wollen – oder eben zu der Erkenntnis gelangen, dass wir doch eigentlich den besten Arbeitsplatz der Welt besitzen …

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